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Sechstes Hauptstück.
Abtei Jumieges die ältesten bekannten bleiglasirten Töpferwaaren desNordens (XII. Jahrhundert), wodurch die gewöhnliche Annahme, dassein Töpfer aus Schlettstadt im Eisass dieselbe erst im XIII. Jahrhunderterfunden habe, widerlegt wäre.
Die Anwendung dieser Procedur in der eigentlichen Kunsttöpfereischeint im Mittelalter sehr beschränkt gewesen zu sein, wenigstens sindUeberreste davon selten; sie gehen, wie ich glaube, nicht über den Anfangdes XV. Jahrhunderts hinaus. Eine um so glänzendere Stelle nahm sieein im Dienste der Baukunst, wie bereits angeführt worden ist.
Das Charakteristische dieser Erzeugnisse sind die poröse, opakeund gefärbte ziemlich mürbe Masse, sodann die dicke, durch-sichtige, ziemlich weiche, glänzende und farbige Glasur, womiterstere bedeckt ist. Sie bedürfen keines starken Feuers, weder zumBrennen noch zum Glasiren, welcher Umstand ihre Fabrikation erleichtertund auch in stilistischer Beziehung wichtig ist, indem die Mittel derformalen Ausstattung dadurch an Umfang gewinnen; aber die Glasur istdick, wodurch diese Mittel wieder beschränkt werden.
Die Schwierigkeit der Anwendung mehrfarbiger Glasuren führteauf die plastische Dekoration dieser Art Töpferei; in der That sinddie meisten alten glasirten Töpferwerke plastisch verziert und mitdunkler, meistens grüner Glasur gleichmässig überzogen. Doch benützteman auch mit Geschick und Glück den Wechsel verschiedenfarbigerGlasuren (Brogniart II. S. 14). Plastisch dekorirte Ofenkacheln warenschon im XIII. Jahrhundert üblich. 1 (Schloss Saleve bei Genf .)
Hauptsitze dieser Art Töpferei waren vom XIV. bis ins XVII. Jahr-hundert hinein das südliche und mittlere Deutschland , besonders Bayern und Franken, in welchen Ländern sie noch jetzt am besten gedeiht. 2Ein anderes Verfahren ist das Vertiefen und Umrändern der dekorativen
1 Die beistehenden Ofenkacheln (XIV. Jahrhundert) wurden in dem Grundedes alten Salzhauses am Grossmünster zu Zürich gefunden. Ungefähr dieser Zeitgehört auch ein schöner Ofen aus glasirten plastisch - verzierten Kacheln, den ichzu Meran im alten Stammschlosse Tyrol zeichnete und der beigefügt werden mag,obschon er als Ganzes mehr in die Abtheilung Maurerei gehört. (Siehe S. 148.)
2 Die deutschen Töpfe dieser Gattung sind phantastisch und reich in plastischemSinne ausgestattet, mit starken aufgelötheten Reliefverzierungen, mit Vermeidung zuflacher Details. Sie ähneln in mancher Beziehung den Henry II . Fayencen. Vde.Brogniart, Atlas XXXVII. Eine Schüssel vom J. 1411 aus Carls VIII. von Frankreich Zeit, mit reichen Skulpturen (von 43 Centim. Durchmesser) in der kaiserl. Bibliothekvon Paris .