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Sechstes Hauptstück.
sonst hätten sich Scherben dieses nnzersetzbaren Stoffes hier und davorgefunden ; da der Gebrauch der falschen Murrhinen ziemlich verbreitetwar, sondern Opalglas , 1 oder ein anderer wegen seiner Mischungs-verhältnisse leicht zersetzbarer Stoff, wodurch das Verschwinden jeglicherSpur derselben nach so vielen Jahrhunderten erklärlich wird.
Wie dem auch sein mag, so dürfen wir in dem chinesischenPorzellan ein Resultat ganz gleicher Bestrebungen, ein für den Genussheisser Getränke und Speisen geeignetes Surrogat für Gefässe aus fossilemStoffe gleichen Zweckes, erkennen . 2
Dieser Voraussetzung entsprechen die chinesischen und japanesischenPorzellanwaaren, in gleichem Grade wie ihrer Bestimmung und derschwierigen Technik der Porzellanfabrikation.
Sie sind für den raffinirten Genuss berechnete Luxusgefässe, sietragen immer ihre spezifisch praktische Bestimmung zur Schau undsind in dieser ihrer realistischen Schranke, die den Idealismus freierKunstentfaltung ausschliesst, stilgemäss und vollkommen. Auchentsprechen sie der Vollkommenheitsidee in gleichem Grade darin, dasssich an ihnen eine vollständige und zugleich ihre Schranken kennendeMeisterschaft über die Technik kundgibt, die dem schwierigen StoffeAlles, nur nichts ihm Fremdes und Heterogenes, zumuthet, die nebendem Zwecklichen zunächst auch die Hervorhebung der spezifischen Eigen-schaften des Porzellans und die formale Verwendung aller Mittel, die esbietet, im Auge hat . 3
Aber was diesen Nutzporzellanen, vorzüglich den älteren, noch
1 Nach einigen soll die Basis des Murrhinum Flussspat gewesen sein, ein eben-falls verwitterlicher Stoff.
2 In der That soll in China ein kostbares Fossil, Namens Yu, zu Schalen undGefässen von unschätzbarem Werthe verwandt werden, dessen Existenz aber von anderenwieder in Zweifel gezogen worden ist. Vergl. in Böttigers: Kleine Schriften Bd. II.S. 152 den Aufsatz: die murrhinischen Gefässe, und Becker: Gallus S. 144. BeideSchriftsteller, bei denen die bezügliche Literatur zu finden ist, neigen sich der Ansichtzu, dass die Murrhinen chinesisches Porzellan waren.
3 Die grossen Prachtvasen der Chinesen und Japanesen sind schon Verirrungendes Stils, denn ihnen fehlt bereits ganz das Gemmenhafte, das die Kolossalitätausschliesst; ihre Ausführung ist schwierig, aber doch behalten sie noch ihren Cha-rakter als Nutzgefässe; sie sind unfertig für sich, vervollständigen sich erst durch dieMetallgarnitur und das Blumenbouquet, als Schmuck eines Gartens oder eines Pracht-raums. Wo aber die chinesische Porzellantöpferei ihren realistischen und dekorativenBoden verlässt, wohl gar figürlich-bildnerisch und statuarisch auftritt, dort verliert siesofort alles stilistische Interesse.