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Sechstes Hauptstück.
nun an nicht mehr von Meissen aus, das seit längerer Zeit nur noch inder Reproduktion der alten berühmten Rococowaare fortvegetirt, oderhöchstens noch einzelne zum Theil seines alten Ruhmes unwürdige Erfin-dungen sein Eigen nennen darf. 1
b) Das weiche (künstliche) Porzellan.
Diese Initiative sollte auf eine merkwürdige Abzweigung des inRede stehenden keramischen Fabrikats übergehen, auf die man (schonvor der Böttger’schen Erfindung) durch das gleiche Streben, die chinesischeWaare nachzubilden, in Frankreich geleitet wurde. Schon 1695 wurdein St. Cloud bei Paris durch einen Töpfer Namens Morin die sogenannteweiche Porzellanwaare hervorgebracht, die von Zeitgenossen sehr gerühmtwird. Eine andere Fabrik, die von Chantilly, unter der Direktion derGebrüder Dubois, machte seit 1735 jener älteren Konkurrenz. IhrNachfolger Gravent verkaufte das Geheimniss der Manufaktur an denFinanzintendanten Ovry de Fuloy, der eine dreissigjährig privilegirteAktiengesellschaft darauf begründete und die Fabrik nach Yincennesverlegte. Unter Louis XV. kam sie unter dem Titel einer königlichenManufaktur nach Sevres und im Jahre 1760 ward sie durch Ankaufkönigliche Domaine, mit einem Sukkursalfonds von 100,000 Frankenjährlich. Sie erhielt sich in ihrer Eigenthümlichkeit bis 1804, in welchemJahre (unter Brogniart) die Fabrikation der schönen porcelaine tendregänzlich aufhörte und dafür der Geschmack des Empire in der porce-laine dure sich hart genug zu bethätigen Gelegenheit fand.
Die künstlich zusammengesetzte Paste der porcelaine tendre, worinkein Kaolin, überhaupt sehr wenig plastische Erde (Alaun) enthalten ist,die his zur Erweichung erhitzt wird und dann eine Art von Verifikationbildet, erschwert und beschränkt die Formgebung, deren Hiilfsmittel sichwesentlich auf das Abformen, das (gesundheitsgefährliche) trockene Ab-drehen und die Applikation durch Löthung beschränken. Nachdem diegeformte Paste bis zur Verglasung gebrannt worden, in welchem Zustandesie Biscuit heisst, wird die flintglasähnliche Krystallglasur aufgesetzt,deren berühmter Glanz, deren nie erreichte Farbenpracht das Resultat
1 Dazu gehört die sogenannte leichte Vergoldung, die zu einem Überschwangsliehen Missbrauche dieses reichsten Dekorationsmittels, folgerecht zum Ungeschmack,verleitet, dabei so wenig haltbar ist, dass man sie mit der Zunge ablecken kann.