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Sechstes Hauptstück.
Stoff, also auch für das opake und farbige Glas, als Gemme, seineGültigkeit, aber für das durchsichtige, luftige, so zu sagen körper-lose Glas begreift man ein Hinneigen der Kunst nach dem entgegen-gesetzten Prinzipe.
Letzterem entsprechen schon in gewissem Sinne die mit leichtemGlasnetzwerk umsponnenen Prachtgläser (Diatreta) aus alexandrinischerund römischer Zeit, jene calices audaces, die so oft zerbrachen, wenn derKünstler das letzte Rad an sie setzen wollte oder wenn der dienendeKnabe sie zu fest hielt, in der Angst sie fallen zu lassen . 1
Aber diese antiken Gefässe sind doch nur wegen ihrer Glasgespinnstedem zweiten waghalsigen Stile angehörig, der Gesammtform nach sindsie, wie alle antiken Vasen aus harten Steinen und aus Glas, kompakt,einfach, widerständlich.
Nachdem die Glyptik, d. h. die Kunst in harten Steinen und GlasFiguren und Ornamente zu graviren, entweder hohl (intaglio) oder erhaben(ectypa scalptura, Camaieu, Cameo), während des ganzen Mittelalters nurkümmerlich geübt worden war (am meisten noch in Byzanz, doch auchim Abendland und selbst bei den Mohammedanern), nahm sie doch zuerstin Italien gegen Anfang des NV. Jahrhunderts wieder einen höherenAufschwung, wozu die technischen Erfahrungen der flüchtigen Byzantinergewiss nicht wenig beitrugen. Ein berühmter Steinschneider desXIV. Jahrhunderts in Florenz , Benedetto Peruzzi, siehe Ammirato, Storiefior. L. XIV.
Man suchte von Neuem nach den kostbaren Gemmen, um Vasenund Geräthe daraus zu schneiden, die grössten Künstler in der Glyptik(Domenico de’ Camei, Francia, Caradosso , Jacopo Caraglio , Anichini vonFerrara, und besonders Valerio Vicentino ) betheiligten sich bei dieserkostspieligsten und raffinirtesten Art der Gefässkunst, an welcher derGoldschmied den nächst bedeutenden Antheil hatte.
1 Martial. XIV, 94. ibid. 111. ibid. 115. Winkelmann beschreibt eine Schalevon schillernder Farbe, mit einem blauen Netz überzogen und mit einer Inschrift, dieim Jahre 1725 im Novaresischen aufgefunden worden war. Das Netz ist mit feinenblauen Stäbchen an dem Kern befestigt. „Zuverlässig sind an dieser Schale weder dieBuchstaben noch das Netz auf irgend eine Weise aufgelöthet, sondern das Ganze istmit dem Bade aus einer festen Masse Glases auf dieselbe Weise wie bei den Kameengearbeitet. Die Spuren des Rades nimmt man noch deutlich wahr.“ Ein ähnlichesGefäss, weiss mit Purpurnetzwerk umsponnen, ward bei Strassburg gefunden. MinutoliS. 6. Ein Bruchstück eines solchen ist in Wien . Vde. Arnetli. Vielleicht gehörteauch das auf Tab. XVI der Tondrücke unter 14 dargestellte Bruchstück einem solchenDiatreton an.