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2 (1879) Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst
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Tektonik. Technisch-Historisches.

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Wie in allem andern, so blieben auch hierin die Italer der altenTradition am längsten getreu. Camillus zierte sein Haus mit der vonihm unterschlagenen Beute an tyrrhenischen Thürbekleidungen. Nach-ahmungen derselben in Tuffstein dienten zum Verschluss der Grabkam-mern (Band I. S. 407). Die Thore des kapitolinischen Jupiter warennoch zu Stilichos Zeit in alterthümlicher Empaistik mit Goldblechbeschlagen.

Auch an den Wohnhäusern waren die hölzernen Thyromata undProthyra Mittelpunkte der Dekoration ihres sonst einfachen Aeussern;gleichsam als rehords, als Aufschläge des Innern. 1

Desshalb geschieht der enkaustischen Malerei an ihnen mehrfacheErwähnung. Auch wurden sie mit Trophäen und Familienwahrzeichengeschmückt und an festlichen Tagen mit Kränzen und Festons behängen,die wieder Motive fester dekorativer Ausstattung wurden.

Bildnerischer und plastischer Schmuck entsprach wieder den Ueber-gängen, die der Stil der Baukunst im Allgemeinen durchmachte. ZurZeit des Polygnot und vorher war der Hauptschmuck der Thüren male-risch. Ein Epigramm, das dem Simonides zugeschrieben wird, nenntKimon von Kleonae und Dionysius von Kolophon als die Maler einerPempelthür. 2 (Jener war einer der Begründer der historischen Maler-schule, der Zweite ein Zeitgenosse des Polygnot.) Auf dem Aeusserender Thüre des Apollotempels zu Kizykos war die Befreiung der Mela-üippe gemalt.

Auch die Stadtthore erhielten gemalten Schmuck; Athene in ganzerEigur, als Polaitis, 3 als Stadtherrscherin. Dessgleichen die Privathäuser. 4

Mit der höchsten Bliithezeit der Kunst traten chryselephantine so^ie andere kostbare Ornate der Holzkonstruktion an die Stelle der älte-sten Metallbekleidungen und der das Mittelalter der griechischen Kunstbezeichnenden Malerei. Dieser Art waren die kostbaren, von Cicero sosehr gepriesenen Thore des Athenetempels zu Syrakus , mit ihren reichenBeschlägen, über welche das Alterthum eine ganz umfangreiche Literaturhesass.

1 Cratinus apud Pall. onom. VII. 122. napaaTaSa? v.ai Ttpörlopa ßouXet itooüka.Corpus T. 22. 97. sfxwjoti; Tl v ttopfiv. Schön bemalte Portale zu Tanagra . Buttmann,Questiones de Dicaearcho pag. 25. Letronne, lettres dun antiqu . etc. pag. 345. Röchelte,Gintures a. inedites pag. 125.

2 Analeot. I. 142. Plin. XXXV. 8. 34. Aelian . VIII. 8.

3 Aescbvl. Septem adv. Th. v. 150.

4 Lycophron ad Aeschyl. Septem a. Th. v. 356.