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Achtes Hauptstück.
Gesimse, Pilaster und Säulen ist an sich betrachtet eine höchst genialeNeuerung, von der die antike Bautradition nichts weiss und die sich viel-leicht, in einer minder spezifisch dem Zeitalter ihrer Erfindung angehörigenWeise, noch verwerthen lässt. Möglich, dass man darauf zurückkommt,wenn die Baukunst einmal wieder ihre humoristische Richtung einschlägt.
Es folgt hierauf eine nochmalige Rückkehr zu der antiken Tra-dition; sie tritt zuerst nur schüchtern auf und ist in dieser Mässigungund Mischung des Rococo mit dem Antiken sehr liebenswürdig . 1 Diess-mal geht der neue Impuls von der Baukunst aus: Das Schloss Petit'Trianon hei Versailles bildet ein solches höchst anmuthiges IJehergangs-
IVrl
glied von Rococostil zu dem Stil der letzten Jahre des Königthums.Letzterer erreicht vielleicht im Gardemeuble, Place de la Concorde zuParis , das keine Rococoformen mehr enthält, seinen reinsten Ausdruck.Gleichmässig verschwindet das Rococo aus dem Möbel. Ihm folgen Simse,gerade Formen, Karyatiden, Akanthus, Appliken und Profile aller Art ausOr-moulu, dabei Porzellantafeln mit gemalten Schäferscenen und Blumen-bouquets, Kameen aus Porzellan und Glas etc. etc. —
Der berühmteste Meubleur jener Zeit, Gauthier, machte in denachtziger Jahren des vorigen Säkulums den geschweiften Rococoformen
1 Siehe beistehende Möbel älteren Stils.