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2 (1879) Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst
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Tektonik. Technisch-Historisches.

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Decken und Wände, ihr altes Ansehen. Sie blieb im Norden Italiens ,besonders im Venezianischen, beliebt, was mit der Vorliebe der nord-italischen Malerschulen für Tafelmalerei im Zusammenhang steht. DerLuxus der Eichengetäfel mit Malereien scheint über Venedig nach Augs­ burg und Nürnberg gedrungen zu sein, und gleichzeitig oder sogar frühernach Frankreich (Fontainebleau , Louvre , 1 Palais du Luxembourg ).

Die Glanzperiode des Wandgetäfels ist die Zeit des Rococogeschmacks,insofern nämlich das Rahmenwerk zum Organismus 2 wird und alleanderen traditionellen Formen der Baukunst zu ersetzen beginnt. DerRahmen umschliesst die Füllung pflanzenhaft, umrankt sie gleichsamals ein organisch Belebtes, hört daher auf, wie früher, krystallinischeurhythmisch zu sein.

Das Pegma löst sich in gleichsam flüssig vegetabilische, der strengenRegelmässigkeit widerstreitende Elemente auf.

Diess ist die wahre Idee des Rococo, für welche das Wort gefundenzu haben wir uns schmeicheln. Aus ihr lässt sich dieser Stil in seinemWesen konstruiren, aber es folgt keineswegs zugleich, dass alles, wasnoch aus ihr entwickelt und in die Erscheinungswelt gefördert werdenkann, unbedingt zum Rococo gehören müsse.

1 Der spätgothische Stil, in Frankreich und sonst, hat schon prachtvolle Plafond-getäfel aufzuweisen; Beispiel das Getäfel der Gerichtshalle im Rathhause zu Rouen .

2 Man weiss schon, dass wir darunter etwas anderes verstehen, als die Neu-gothen, denen alles organisch ist, was struktive Folgerichtigkeit zeigt.