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2 (1879) Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst
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Neuntes Hauptstück.

Im Allgemeinen machen kleine Einheiten, woraus ein Ganzesbesteht, wenn sie sichtbar hervortreten, dieses gross erscheinen; bis zueiner Grenze, wo sie von demjenigen Standpunkte aus, der für denUeberblick des Ganzen der günstigste ist, nicht mehr wirksam sind undselbstständige Einheiten zum Theil ihre quantitative Geltung verlieren.

Dieses Mittel, durch Verminderung der Einheitsform das Ganzescheinbar zu vergrössern, hat also bei grossen Monumenten seine opti-schen Grenzen.

Aber auch bei kleinen Monumenten findet es nur beschränkte An-wendung, weil ein Minimum dieser Norm durch die Natur der Stoffegegeben ist.

Ferner wirken die Einheiten nicht blos als geometrische Grössenrein optisch, sondern zugleich als Massen, in dynamischem Sinne, durchdas Auge auf den Geist; dieser Eindruck kann durch formale Be-handlung und Art des Zusammentretens dieser Einheiten bedeutend ver-mehrt werden.

Die optischen und dynamischen Wirkungen gehen aber nicht Handin Hand, vielmehr bilden sie Gegensätze, deren Vermittlung zu den richtigenVerhältnissen der Einheitsnormen unter einander und zum Ganzen führt.

Nicht nur die Verhältnisse an sich, sondern auch die Verhältniss-gesetze ändern sich nach den absoluten Grössen und nach den Charakterender Bauwerke, an denen sie Anwendung finden. Aber ähnlich wie inder Musik die Zahl der Tonintervallen und der Tonarten unendlich wäre,hätte die Kunst sie nicht auf wenige reducirt, um sie beherrschen zukönnen, eben so hat die Baukunst sich bestimmte Kanones der Verhält-nisse mehr oder minder willkürlich festgestellt, die zwar zunächst nurdie Tektonik betreffen, die aber nach dem harmonischen Gesetz, das alleim Bauwerke zusammentretenden Momente der Gestaltung durchdringtund verknüpft, auch auf den Fugenschnitt Anwendung finden.

Man setzte die Normen der Quader in bestimmte Beziehungen zuden Modulen und Normen der Säulenordnungen, die dem Charakter undInhalt des Gebäudes oder Gebäudetheiles entsprechen, an dem die QuaderVorkommen . 1

1 Wer den Zwang der Säulenordnungen abwirft, muss sich dafür einen anderenKanon schaffen, oder Charakter und subjektiven Ausdruck in der Baukunst geradezuverleugnen, ihr nur das Recht allgemein-typischen Inhalts zuerkennen. Wer keinerleiFesseln kennt, dessen Kunst zerfährt in form- und bedeutungsloser Willkür.

Der vermeintliche Erfinder eines neuen Kanons hätte sich jedoch besten Fallesam Ende nur selber getäuscht und das Wesen des alten nicht verändert. Wäre ihm