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Elftes Hauptstück.
Bezug auf die uns beschäftigende Stilfrage bietet, wesshalb wir ihn hierunbedenklich voranstellen und als Anknüpfungspunkt für weitere stilistischeBetrachtungen benützen.
Das Schweissen ist im Orient nicht sowohl das Mittel, die Stückeeines zusammengesetzten eisernen Systemes in seinen Gliederungen zuverbinden (denn dazu bedient man sich gemeinhin der Niethen, Heftel,Bänder, Spangen, Lappen und sonstigen Zwischenglieder oder Verbindungs-theile, an denen nach ältester Tradition und Kunstsymbolik die orientalischeKunst aus praktischen und ästhetisch-ornamentalen Gründen 1 fest hält),sondern vielmehr das Mittel zur Erzeugung einer Metallkomposition, welchedie beiden, scheinbar einander ausschliessenden, Eigenschaften der Härteund Geschmeidigkeit in hohem Grade in sich vereinigt und dabei zugleichdurch ihre künstlich hervorgebrachte gemusterte Textur in dekorativemSinne angenehm wirkt. Es ist der gleiche Laminationsprozess, der auchin der antiken Glasbereitung 2 eine so hervorragende Bolle einnimmt undwahrscheinlich auch hier zugleich dekorativen und zwecklichen Ursprungsist, nämlich um durch ihn eine aus verschiedenen ungleichartigen Glas-arten zusammengesetzte Masse zu gewinnen, die geschmeidiger und (schonwegen der Zusammensetzung aus Stücken) im Temperaturwechsel undgegen plötzliche Stösse weniger empfindlich ist als eine homogenere Glas-masse es wäre . 3
Gleiche Mannigfaltigkeit und gleichen Erfindungsreichthum, wie eran den erhaltenen Scherben antiken laminirten Glases hervortritt, bewun-dern wir an den laminirten Schwertklingen, Dolchen und sonstigen Waffen-stücken der östlichen Völker. Bald bestehen sie aus Metallbändern, baldaus unendlich vielen zusammengeschweissten Stiftchen verschiedener odergleichartiger Metalle, bald sind sie aus ungleich geformten Elementenzusammengesetzt, der Wechsel ihrer zierlichen Mosaikmuster ist unendlich.Doch sind in der Sorgfalt und dem Reichthum der Arbeit die ältestenunter ihnen die vorzüglichsten, so dass schon hieraus das hohe Alter dieserErfindung gefolgert werden darf . 4
1 Vergl. darüber die §§. 7 u. 27 des ersten Bandes und andere Stellen derSchrift, die diesen Punkt betreffen.
2 Vergl. Keramik §. 129. S. 192.
3 Ueber I-Iomogeneität der keramischen Massen §. 116, S. 117 der Keramik.
4 Unter den Reichskleiuodien (ehemals zu Aachen ) ein angeblich aus Karls desGrossen Zeit stammender Sarazenensäbel. Andere alte sarazenische und maurischeSchwerter in der königl. Waffensammlung zu Madrid .
v. Murr , Die kaiserlichen Zierden zu Aachen .
Acliille Jubinal, Description du Musee d’Artillerie de Madrid.