10
eurer Stadt gefällt mir ungemein wohl. Ich zweifle nicht/ Chri-stus wird den Seinigen beistehm. Du sei unbeugsamen Muthes;
denn du hast nichts zu fürchten. Ich wünschte, daß du
Thomas von Wittenbach, und die beiden Sebastiane (Meyer undHofmeister) vom Orden der Minoriten, gelehrte Männer wie duweißt, zu dem Gespräche beriefest. Mit Oecolampadius ") habeich gesprochen; er wird kommen, wenn es ihm möglich ist. Auchbei andern Freunden habe ich deinen Brief emsig herumgetragen.Daß ich selbst nicht erscheinen werde, daran ist nicht nur meinschwieriges Geschäft, besonders ohne Gehülfen, sondern auch einUebelbefinden Schuld, welches mir nicht erlaubt, eine Reise zuPferde zu unternehmen." — Aber je länger er wieder im Um-gänge von Erasmus war, der sich der anfänglich begünstigten Re-formation immer mehr abwandte, und in ihrem etwas stürmischenVorgehen Gefahr für die ruhige Entwicklung der Wissenschaftenwitterte, — desto kälter wurde er gegen seine Jugendfreunde, undbei seinem etwas heftigen Charakter schlug bald die frühere Liebein Abneigung über. Nicht nur erlosch seine Korrespondenz mitZürich , sondern es kam sogar so weit, daß Zwingli schon am 28.Mai 1525 an Dadian schreiben mußte: „Glarean wüthet, nichtnur gegen mich, sondern setzt auch gegen Oecolampadius alles inBewegung. Wer hätte bei ihm so viel Bosheit und Gift ver-muthet? Von allen Seiten wünschen die gelehrtesten Männer denSchweizern Glück, und der Schweizer knirscht wegen Zwingli ."
Daß bei solcher Frontveränderung Glareans Lage in Basel ingleichem Maaße unangenehmer, ja unhaltbarer wurde, je ent-schiedener auch dort die Reformation auftrat, versteht sich vonselbst, — zumal sich gleichzeitig auch fein Pensionat immer mehrentvölkerte, und so seine ökonomischen Verhältnisse ziemlich drü-ckend wurden. Er wandte nun seine Blicke nach Freiburg imBreisgau, und war wirklich so glücklich, dort einen neuen Wir-kungskreis zu erhalten. Er schrieb darüber den 5. Februar 1529
t7) Johannes Hausschcin, genannt öcolampad, 1482 zu Weinsberg geboren,im Dezember tWl zu Basel verstorben. Professor der Theologie und später Anti-stcs, war er der Reformator Basels, und 1526 bei der Disputation in Baden derHaupttämpftr der Evangelischen.