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1 (1858) Biographien zur Kulturgeschichte der Schweiz. 1. Cyclus / von Rudolf Wolf
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Konrad Geßner .

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Lebens, bis gegen Ende 1534 die religiösen Verfolgungen so sehrüberhand nahmen, daß er gerathen fand, nach Straßburg abzu-reisen , von wo er Anfangs 1535 in die Vaterstadt zurückkehrte.

Bald nach seiner Heimkehr verstimmte Geßner, vielleicht zumTheil durch seinen immer mehr zu Tage tretenden Plan sich derMedizin zu widmen, namentlich aber durch unbesonnene Heiratheines schönen, aber ganz armen Mädchens, einer Barbara Singer^),seine Gönner, und man muthete ihm zu, ohne sein Stipendiumzu erhöhen, einen der niedrigsten Schuldienste zu versehen. Auchda trat aber wieder Myconius , den Geßner über alle seine Ver-hältnisse mit kindlicher Offenheit aufgeklärt hatte, ins Mittel, undschrieb am 16. Juni 1536 an Bullinger:Ich bitte dich, wohlzu bedenken, daß es nicht recht ist, ein Genie, wie das unsersGeßners, so in einer untern Schule zu Grunde gehen zu lassen.Ich muß ihn bewundern, und alle Gelehrten, die ihn kennen,bewundern ihn auch. Er war vor einiger Zeit hier, und gingmit dem Grynäus und einigen andern Aerzten botanisiren. Allemit einem Munde bedauerten seine traurige Lage. Du kennstden Zweck seiner Studien, und er hat darin schon solche Fort-schritte gemacht, daß er in wenig Jahren seiner Vaterstadt Nutzenund Ehre bringen würde. Du, ein Prüfer und Kenner der Gei-ster, kannst es gewiß dahin bringen, daß man ihm hilft, wenndu den Willen dazu hast. Es schmerzt mich tief, daß bei einerso geringen Zahl vortrefflicher Köpfe, dieser nicht besser unterstütztwird." Dieser Brief wirkte: Zuerst erhöhte man Geßner seineBesoldung ein wenig, und gegen Ende 1536 befreite man ihnvon dem mühseligen Schuldienste, damit er sein Stipendium inBasel zur Fortsetzung seiner medizinischen Studien benutzen könne.

Noch nicht lange genoß Geßner seiner Freiheit in Basel , als

14) Bergt. Neujahrst. der Naturf. Ges. auf 18 W, wo auch erzählt wird, daßer später mit einer Barbara Pantli eine zweite Ehe geschlossen habe. Hanhartkennt weder den Namen der ersten, noch das Faktum einer zweiten Frau, und soweiß ich nicht, ob seine Angaben über die Kränklichkeit rc. von Geßners Frau sichnur auf die Erste beziehen. Bei GeßnerS letzter Krankheit wird wiederholt fernerFrau gedacht, so daß ihn Barbara Pantlt überlebt haben muß. Beide Ehe»scheinen durchaus kinderlos gebliehen zu sein.