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2 (1859) Biographien zur Kulturgeschichte der Schweiz. 2. Cyclus / von Rudolf Wolf
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Christian Wursteisen.

finde, daß Wursteisen nach Italien gereist sei, und dort Vortragegehalten habe, so will ich auch nicht auf der Realität dieser Vor-trage bestehen, denn was liegt am Ende daran: die Hauptsachewar, Wursteisen als einen der ersten, und von seinen Zeitgenossenanerkannten Copernicaner nachzuweisen, und dieß ist, glaube ich,hiermit geschehen. Wie klar und zuverlässig die von Voß fürMästlin benutzten Quellen sind, weiß ich nicht, aber der ersteuns von Hansch erhaltene Brief Galileis an Keppler, der Ersteremaus die Zunge legte von Mästlin zu reden, wenn er wirklich vondiesem mit dem Copernicanischen Systeme bekannt gemacht wordenwar, scheint mir nicht eben zu Gunsten von Voßens Erzählungzu sprechen, so daß ich vor der Hand dem positiven Zeugnissedes 1632 freilich schon 68jährigen, aber doch gewiß damals nochgeistesfrischen Galilei den Vorzug schenke.

Wursteisen lehrte in Basel volle 21 Jahre Mathematik und Astro-nomie und seine betreffende Wirksamkeit darf daher nicht als geringangeschlagen werden, war doch damals Basels Universität noch involler Blüthe, und der mathematische Hörsaal noch nicht, wie jetztauf manchen Hochschulen in Folge eines übermäßigen Präponde-rirens der sogenannten Brodstudien, der letzte, welchen man auf-suchte. Drei Jahre nach seinem Antritte der Professur, im Jahre1568, wurden Peter Ramus und Tycho de Brahe an der BasierHochschule immatrikulirt >?). In wiefern der letztere mit Wurst-

-12) Vergl.Lutz, Geschichte der Universität Basel, Aarau 1826 in 8."Tycho (18461601) war damals noch ein junger Mann, und mochte vielleicht einigeVorlesungen besucht haben. Peter Ramus dagegen (1818 oder nach Andern sogarschon >802 geboren, und 1872 als ein Opfer der Bartholomäusnacht gefallen)war bereits seit Jahren ein berühmter Lehrer der Mathematik und Philosophie,und besuchte Basel nur auf einer Reise, zu der ihn die Besorgniß vor seinen Fein-den in Paris veranlaßte; er hörte also wahrscheinlich in Basel nicht, sondernpflegte privatim den Umgang der dortigen Gelehrten, denen er sodann in einer ins. «prssi. In Liesronis ürat. eonsul., Lgsil, 1378» aufgenommenen Zuschrift«pktri ilarni üssilus sei 8sustrni> popninineius kssilisnsein, 1871» ein schönesDenkmal stiftete. Er besuchte damals auch Zürich, wo er unter Andern JosiasSimmler kennen gelernt, und sich über seine ohne Lehrer erworbenen schönenmathematischen Kenntnisse verwundert haben soll. Vergleiche über Ramus unterAnder»! die in dem zweiten Bande von Schlömilch und Witzschel's Zeitschrift fürMathematik und Physik enthaltene interessante Abhandlung Dr. Cantor's:PetrusRamus, Michael Stifcl, Hieronymus Cardanus , drei mathematische Charakterbil-der aus dem 16. Jahrhundert."