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3 (1860) Biographien zur Kulturgeschichte der Schweiz. 3. Cyclus / von Rudolf Wolf
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Theophrastus Paracelsus .

Stadtarzies und Professors Wilhelm Copus genöthigt wurde, sichnach einem Manne umzusehen, der ihn nicht nur als Praktikerersetzen, sondern zugleich an der durch die Reformationsstürmebereits erschütterten Universität mit Erfolg als Lehrer auftretenkönne, lag es nahe dem Rathe von Oecolampad zu folgen, unddas neu aufgehende Gestirn zu gewinnen ^). Paracelsus folgtedem Rufe, und hatte von Kranken und Zuhörern großen Zulauf,dagegen bald eine nichts weniger als angenehme Stellung. Schondaß er gegen alle frühere Uebung sich auf dem Katheder der deut-schen Sprache bediente, und sich auch nicht daraus beschränkte einenalten ärztlichen Schriftsteller zu commentiren, sondern seine eigeneWissenschaft vortrug, wurde von seinen Kollegen übel Vorge-merkt, um wie viel mehr, daß er sich in den stärksten Aus-drücken gegen die damals noch als Orakel betrachteten Galen,Avicenna , rc. auslteß, und nur den gerade von Andern für einenSchwätzer gehaltenen Hippokrates als einen wahren Arzt aner-kannte, ja sich sogar erlaubte, in Nachahmung Luthers , dieWerke Avicenna's öffentlich inS Feuer zu werfen,auf daß allesUnglück mit dem Rauch inn Luft gang" '2). Ferner wurde nicht nurder Neid der übrigen Aerzte durch das wachsende Zutrauen, welchesParacelsus in Folge glücklicher Kuren, wie z. B. der Froben's^),in immer wettern Kreisen fand, von Tag zu Tag größer, son-dern ging bei ihnen und den Apothekern in den bittersten Haß

181 Nach Moll und Locher wäre Paracelsus noch von den Studienjahren herin Basct in gutem Andenken gewesen; sie lassen ihn im listen Jahre die HochschuleBasel beziehen. In die Matrikel scheint jedoch wenigstens sein Name nicht einge-tragen worden zu sein, sonst hätte Lutz wohl nicht versäumt, ihn auf I>sg.seinerGeschichte der Universität Basel, Aarau 1826 in 8." zu nennen. Nacheinzelnen Berichten hätte sich Paracelsus schon 1323 als praktischer Arzt in Basel niedergelassen.

19) Durch dieses Eifern gegen die Alten machte er sich auch Konrad Geßner , derso große Stücke aus diesen hielt, abgeneigt, und wurde dann zur Straft von ihmin seiner Libliotlreog etwas über Gebühr unsanft behandelt.

20) Der berühmte Buchdrucker Joh. Froben, der Freund des Erasmus, hattesich bei einem Sturze den rechten Fuß so stark beschädigt, daß ihn mehrere Aerzteamputiren wollten. Paracelsus stellte ihn rasch so weit her, daß er noch zweiReisen nach. Frankfurt machen konnte. Als dann Froben, der sich nicht schonte,später wieder krank wurde und an einem Schlagfiuffe starb, mußten natürlich dievon Paracelsus zu seiner ersten Heilung gebrauchten Opiate an seinem Tod schulden.