I. Vorwort.
1. Einleitung. Auch den Ungebildetsten wird es frappiren, wenn man ihm neben ein Blattunserer schönen Dufour-Karte eine der Landtafeln von Münster oder Stumpf legt, — ja es zeigtsich vielleicht kaum auf irgend einem andern Gebiete ein so gewaltiger Unterschied zwischen denLeistungen älterer und neuerer Zeit, — und so tritt vielleicht auch nirgends die Frage so nahean uns heran, wie solcher Fortschritt im Laufe weniger Jahrhunderte ermöglicht worden sei, —welchen Verumständungen und welchen Männern wir denselben zu verdanken haben, — mit einemWorte, welche Geschichte unsere Karte besitze. Das Folgende ist ein Versuch diese Frage zubeantworten, und zwar den Nachweis zu leisten, dass aus jenen allerdings noch höchst unvoll-kommenen Karten der ältesten Zeit durch fortwährende Wandelung unsere neuesten Karten ent-standen sind, — ja dass sich naturgemäss Verständniss, Bedürfhiss, Wissenschaft und Technik nurnach und nach wechselseitig so heben konnten, um endlich das vorgesteckte Ziel zu erreichen,und den Boden zu bereiten, auf welchem die in der Gegenwart unternommenen Arbeiten, undspeeiell diejenigen basiren, deren Durchführung der schweizerischen geodätischen Commission an-vertraut worden ist. Möge dieser, bei dem Mangel fast aller Vorarbeiten und der grossen Massezu bewältigenden Stoffes, nichts weniger als leichte Versuch freundliche Aufnahme und nachsichtigeBeurtheilung finden.
2 . Plan zur Geschichte. Ich werde zu dem angegebenen Zwecke zuerst über die allerälte-sten Karten, welche man gegen die Mitte des 16. Jahrhunderts den Tschudi, Münster undStumpf zu verdanken hatte, eintreten. Sodann werde ich die Versuche schildern, welche in derzweiten Hälfte des 16. und im Laufe des 17. Jahrhunderts die Murer, Schöpf, Wägmann,Gyger, Von der Weid, Peyer, Grimm, Lambien, Meyer, Guler, Sprecher, Merveil-leux, etc. machten, um, zwar allerdings tlieilweise noch ä vue, theilweise aller doch auch schondurch wirkliche geometrische Aufnahmen, einzelne Gegenden unsers Landes richtiger darzustellen,und so das nöthige Material zu beschaffen, um nach und nach, wenigstens in Beziehung auf denDetail, wesentlich bessere Schweizerkarten darauf bauen zu können, wie solche dann wirklichschon im 17. Jahrhundert durch die Murer, Gyger, Muoss, etc., und dann am Anfänge des18. Jahrhunderts abschliesslich durch Scheuchzer erstellt wurden. Nachher werde ich zeigen,wie zwar auch noch im Laufe des 18. Jahrhunderts jene Materialbeschaffung durch die Bodmer,Rüdiger, Fatio, Tschudi, Roverea, Nötzli, Loup, Wattenwyl, Vulliomet, Albertin, Bel,Meiss, Mailet, Spescha, etc. in verdienstlichster Weise fortgesetzt wurde, — wie aber einewesentlich höhere Stufe nur erreicht werden konnte, als ausserdem einerseits die Gessner,
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