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Geschichte der Astronomie / von Rudolf Wolf
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1. Capitel . Das Ptolemäische Weltsystem.

Wann und durch wen diese Zeitregenten und Tagesbenennungeneingeführt wurden, ist bis jetzt nicht mit Sicherheit ermitteltworden; doch deutet eine Notiz bei Dion Cassius auf egyptischenUrsprung hin. Ob auch die Uebung denjenigen Planeten, dessenNummer bei Division der um vier verminderten Jahreszahl durchsieben als Rest hervorgeht, als Jahres rezent zu betrachten,derselben Quelle entsprungen ist, muß hier unerörtert bleiben;dagegen ist einerseits in Beziehung auf die Woche noch Folgendesbeizufügen: So verbreitet sie auch seit den ältesten Zeilen alsPeriode war, scheint sie dagegen als bürgerlicher Zeitabschnittlange nur bei einzelnen Völkern, wie z. V. bei den Egyptern undJuden in Gebrauch gekommen zu sein"); so hatten z. B. dieRömer früher anstatt der siebentägigen eine Art achttägige Woche,in welcher sieben Arbeitstagen ein Markttag, Nunäiimo genannt,folgte, und erst Kaiser Constantin führte die siebentägige Wochebei ihnen dadurch ein, daß er etwa 325, wo er die christlicheReligion zur Staatsreligion erhob, diesen Markt- und Ruhetagauf den Sonntag verlegte, welchen die Christen als erstenSchöpfungstag und Auferstehungstag Christi statt dem Sabbathals Feiertag und Wochenanfang gewählt hatten. Anderseitsist zu erwähnen, daß derselbe Jdeengang, welcher darauf führte,die Wandelsterne zu Zeitregenten zu erheben, es auch nahe legte,sie als Do lmetsche, deren eigene Bewegung dazu dienen möchte,das Künftige vorherzusagen, zu betrachten und ihrer gegenseitigenStellung überhaupt einen gewissen Einfluß zuzuschreiben"). Soentstand bei der üppigen, für Traumgebilde ohnehin große Vor-liebe besitzenden Phantasie der Morgenländer bald, und im engstenZusammenhange mit ihren religiösen Anschauungen und Uebungen,bei den Chaldäern und Egyptern eine Art Sterndeutuug oder

") Auch die Araber scheinen die Woche seit alter Zeit gebraucht, und dieneue Woche je mit dem Untergänge der Sonne ani Sabbath begonnen zu haben.

°) Vergl.vioäorus 8ioulu8, IliMoriarum libri aliquot qui sxtant.Lasilsa 1539 in 4° (Franz, durch Terrasson. Amsterdam 1738)", der sich Peinlicheinläßlich über die Astrologie der Chaldäer verbreitet.