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Geschichte der Astronomie / von Rudolf Wolf
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ü. Capitel . Das Copernicamsche Weltsystem.

dings auf die lange Bank geschoben. Ebenso wenig Erfolg end-lich hatte Michael Stifel , als er unter Annahme, es sei dasJulianische Jahr um 18°° — 18«^ zu lang, in seiner überhaupthöchst merllvürdigen, 1545 zu Nürnberg erschienenen „DeutschenArithmetika" die Reform in der Weise zu erreichen vorschlug, daßman einen Cyclus von 80 Jahren einführe, in welchem je demletzten Jahre sein Schalttag genommen werde °).

106. Die Gregorianische Kalenderreform. Um dieser fort-währenden Verschleppung endlich einmal ein Ende zu machen, an-befahl der aus der Familie Buoncompagni in Bologna stammende,von 1572 bis 1585 regierende Papst Gregor XIII . mit Bullevon 1582 III 1 die Kalenderreform in der Weise vorzunehmen,daß, um den bis dahin aufgelaufenen Fehler von 10 Tagen zuheben, die Tage von 5. bis 14. October des laufenden Jahresaus dem Kalender gestrichen werden, und daß, um das Entsteheneines neuen Fehlers von Belang auf Jahrtausende hinauszurücken,künftig jedem nicht durch 4 Heilbaren Säcularjahre der Schalttaggenommen werde. Es war die Jnswerksetzung eines Vorschlages,den ihm der in Rom lebende Arzt Luigi Lilio von Verona kurz vor seinem 1576 erfolgten Tode gemacht, und dann dessenBruder Antonio in einer ihm 1577 vorgelegten Schrift „Oora-xoiMuiu iiovas ratiouis rsstitusuäi Lalönäariuru" weiter aus-gearbeitet hatte. Es war derselbe von Gregor verschiedenen Uni-versitäten und Fürsten zur Begutachtung und Kenntnißnahmevorgelegt worden, „um eine Allen gemeinsame Sache nach demRathe Aller zu vollenden," — dann hatte ihn, nach Eingangeiner Reihe beifälliger Antworten, noch eine aus dem CardinalSirtelli, dem Deutschen Christoph Clavius , dem Spanier PetrusCiaconius und dem Italiener Jgnatio Danti bestehende Commission

Für Stisel vergl. 109. — Für eine einläßlichere „Vorgeschichte derGregorianischen Kalenderreform " vergl. die so eben von Fcrd. Kaltcnbruimer unterdiesem Titel zu Wien theils in den Sitzungsberichten der Acadcmie, theilsseparat erschienene Abhandlung, welche hier leider nicht mehr benutzt, sondernnur noch citirt werden kann.