332 5. Capitel . Das Copernicanische Weltsystem.
Fürsten und die reformirten Kantone hielten dagegen unentwegtam alten Kalender fest: Einerseits hatten sie es noch nicht ver-gessen, daß derselbe Gregor sich 1572 nicht entblödet hatte, fürdie Bartholomäus-Nacht ein loäsnm anzuordnen, und hielten esauch für unpolitisch, „das man dem Babst die Macht wiederumgebe, seines gefallens die Fasttage in Loolssiu zu verändern wieer will," — und anderseits fanden sie, daß diese Reform, welchesogar die „lodeligen" Feste bestehen lasse, keinem erheblichen Fort-schritt rufe, ja sogar mehr Verwirrung als Nutzen hervorbringenwerde h, — ja Wilhelm IV. wollte in seinem betreffenden, vonden Churfürsten erbetenen „4uäioium"°) höchstens zugeben, daßman, um den jetzt für das bürgerliche Leben noch nicht störendenFehler immerhin nicht noch mehr anwachsen zu lassen, im Jahre1600, und sodann je 132 Jahre später wieder, den Schalttagweglasse, was gerade, weil so 4X33 Jahre nur 4X8 Schalttagebekommen hätten, mit dem oben erwähnten persischen Cyclus über-eingestimmt haben würde. — So war die Verwirrung da, unddabei fehlte es bei den ohnehin gereizten zwei kirchlichen Parteienauch nicht an gegenseitigen Sticheleien und Spottreden; zum Bei-spiel sollen sich die katholischen Bauern bei Fritzlar und der Endengerühmt haben, ihr Christus sei schon 14 Tage alt und könnebald in der Stube herumlaufen, wenn der evangelische erst ge-boren werde, — und dergleichen. Auf solche Weise wurde immermehr der Kalender zu einer Art Rcligionsartikel, und auch einKepler suchte vergeblich zu vermitteln. Er war schon währendseinem Aufenthalte in Graz , wo man bereits 1583 auf den Wunsch
Bergt. z. B. „L. Osiander, Bedenken, ob der newe Päpstliche Kalenderein Notturfft bei der Christenheit sey, und wie trewlich dieser Papst Grcgorius XIII.die Sachen darmit meyne. Tübingen 1583 in -l., — M. Mästlin, gründlicherBericht von der allgemeinen und nunmehr bey 1600 Jahren von dem erstenKaiser Julio biß jetzt gebrauchten Jarrechnung oder Kalender. Hcydelberg1583 in 1.," — B. Lccmann, Bedenken über den Nüwen Gregorianischen Ka-lender. Zürich 1584 in 4., — ?c."
°s „Inäioinm vom neuen corrigirten Calendcr (Neuer liter. Anzeiger1808 Nr. 9s."