Buch 
Geschichte der Astronomie / von Rudolf Wolf
Entstehung
Seite
577
JPEG-Download
 

201. Der Meridiankreis.

577

Briefs des Bestimmtesten zeigt. Nachdem er nämlich davor ge-warnt ein Observatorium zu erbauen, das mehr zur Zierde alszum Gebrauche dienen könne, und dem die Instrumente angepaßtwerden müssen, statt umgekehrt, kömmt er auf ein Instrument zusprechen, das nach seinem Ermessen die Hauptausrüstung jederSternwarte bilden sollte, und sagt: „Das Instrument bestehtaus einer 6 Fuß langen Meridianaxe (d. h. zum Meridian senk-rechten Axe) drehbar um zwei Pole, welche auf festen Pfeilernruhen. Die Axe trägt in der Mitte einen fc stauge-brachten Meridiankreis von 4 bis 5 Fuß Durch-messer mit einem 6 bis 8 Fuß langen Tubus, der beiDrehung um die Axe den ganzen Meridian bis zu denHorizoutalpunkten oder wenigstens bis auf 4 bis 5Grad Höhe durchläuft. Das Instrument muß in einemZimmer aufgestellt sein, dessen Breite wenigstens der Distanz derPfeiler gleichkömmt, dessen Länge 30 oder wenigstens 25 Fuß,und dessen Höhe nicht weniger als 20 Fuß beträgt. Damitferner dem drehbaren Tubus der ganze Meridian offen steht, sohaben sowohl das Dach als die Wände eine durchgehende Spaltevon 4 Zoll Breite. — Das Instrument ist offenbar leicht zuverfertigen und die ganze Schwierigkeit besteht nur in der Er-langung eines Platzes zur Aufstellung in einem festen Gebäude,in welchem man die so construirte Camera als Anhängsel oderKrone anbringen könnte. Ein größeres Instrument oder geräu-migere Kammer ist durchaus nicht nöthig, auch wenn hinlänglicheGelegenheit dazu geboten Ware. Außer drei Uhren derselben Artund Größe (also wahrscheinlich zur gegenseitigen Controle) wirdhier kein anderes Instrument gebraucht; es ist alle Sorgfalt aufdie Festigkeit und die gleichförmige Bewegung dieser einzigen In-strumente zu verwenden. — Der Gebrauch besteht in derBestimmung der Rectascensionen und Declinationenaller sichtbaren Punkte am Himmel; jene geschieht

h Er ist in den litiseeli. Leroi. III 276—278 abgedruckt.

Mols, Astronomie.

37