410 — Längenbestimmung mit Hilfe telegraphischer Verbindungen. — 163
Methode empfohlen; jedoch scheint sie erst 1844 durch Kapitän Karl Wilkeszur Bestimmung der Längendifferenz Washington-Baltimore wirklich in An-wendung gekommen zu sein, und zwar noch in der primitiven Weise, dass eran beiden Stationen auf Ortszeit regulierte Chronometer nach den Telegraphen-bnreaus bringen, und sodann während fünf Tagen durch Zeichen vergleichenliess, welche abwechselnd am einen Orte gegeben und am andern mit demOhr beobachtet wurden. Da der Erfolg nicht unbefriedigend war, so entschlosssich sodann im folgenden Jahre Alexander Dallas Bache (Philadelphia 180G —Newport 1867; Urenkel von Franklin; Prof. phys. Philadelphia , dann Nach-folger von Hassler), die Längendifferenzen der Hauptpunkte der Coast Surveyauf diese Weise bestimmen zu lassen, wofür nunmehr von 1846 hinweg unterDirektion von Walker die nötigen Arbeiten in Gang kamen: Die Sternwartenund Stationen von Washington, Philadelphia, New-York , etc. wurden mit denTelegraphenlinien verbunden, — man tauschte sowohl Zeitzeichen als Faden-durchgänge aus, wofür alsbald der Chronograph (159) vortreffliche Diensteleistete, — etc. Bald folgte auch Europa , indem schon 1848 (vgl. AVien. Sitzungs-ber. von 1848 XI 30) unter Leitung von Kreil die Längendifferenzen Wien -Prag und Wien-Olmütz auf telegraphischem Wege bestimmt wurden, und nachwenigen Jahren schlug diese Methode, welche in der Schweiz zum erstenmale1861 durch Plantamour und Hirsch für Genf -Neuenbnrg Anwendung fand, wenig-stens auf dem Lande alle übrigen Verfahren aus dem Felde, ja erlaubte 1866,vgl. „B. A. Gould , The transatlantic Longitude, as determined by the CoastSurvey expedition of 1866. (Smiths. Contrib. 1869)“, mit Hilfe des kurz zuvorgelegten atlantischen Kabels auch die überseeischen Längen in sichersterWeise zu kontrolieren: Es ergab sich dabei für Washington-Greenwich dieLängendifferenz 5 h 8 m 12 B ,45, während man früher durch Finsternisse undBedeckungen durchschnittlich 14’,86, durch Mondculminationen 10’,12 unddurch Chronometer 12‘,30, also im Mittel 12 s ,43 gefunden hatte. — Anhangs-weise füge ich bei, dass man früher, in Ermanglung zuverlässiger Chrono-graphen, häufig die sog. Methode der Coincidenzen anwandte, welche darinbestand, dass man an jedem Beobachtungsabende zu verabredeten Zeitenzuerst auf der einen, dann auf der andern Station eine Hilfsuhr, deren Se-kunden merklich von einer Sternsekunde abwichen, in die Telegraphenleitungeinschaltete, und den durch sie bewirkten Sekundenschluss durch das Schlagenvon Kelais (158) auf beiden Stationen hörbar machte, so dass jeder derbeiden Beobachter die Coincidenzen zwischen den Schlägen seiner Sternnlirund denjenigen seines Beiais aufsuchen konnte; dass sich so ebenfalls eineUhrvergleichung erhalten lässt, ist klar, und für den Detail einer solchenOperation kann z. B. auf die 1865 durch Wilhelm Förster (Grünberg inSchlesien 1832 geb.; Prof. astr. und Dir. Obs. Berlin ) und E. Weiss aus-gefiihrte Längenbestimmung Berlin-Wien (Puhl, preuss. geod. Inst. 1871) ver-wiesen werden.
411. Die Liingenausgleichling. — Die bequeme und sichereWeise der Längenbestimmung mit Hilfe der elektrischen Telegra-phen hat es in Verbindung mit dem durch die neuern geodätischenArbeiten (434) geschaffenen Bedürfnisse genauer und zahlreicherOrtsbestimmungen bereits dazu gebracht, dass für grössere Netzeastronomischer Punkte sog. überschüssige Bestimmungen vorliegen,