Band 
Dritter Halbband.
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Die dem metrischen Systeme zu Grunde liegenden Messungen. — 199

in seinem sog. „Ami dn peuple“ noch speciell gegen sie aufgewiegelten Be-völkerung unter vielen Hindernissen, ja mehrmals mit Todesgefahr, zu arbeitenhatten, — und so weit ging die Geduld der Revolutionsmänner nicht: Schon1795 IV 7 beschloss der Konvent auf Antrag von Claude Antoine Prieur(Auxonne 1763 — Dijon 1832; Genieoffizier ), sofort den Zehnmillionstel desErdquadranten unter dem Namen Metre (Meter = 1"' ä 10' ,m ä IO 01 ” ä 10 ml “; Mi-kron ■==/( = 0,001"""; Kilometer = l kl “ = 1000’") als Längeneinheit zu prokla-mieren, — die Are (Are = 1“ = 100 q,n ; Hektare = l lm = 100") als Flächen-einheit, — den Stere (Ster = l"‘ = 1°"’) als Volumeneinheit, —- den Litre(Liter = l 1 = l c ' ,m ; Hektoliter = 100 1 ) als Flüssigkeitsmass, — das Gramme(Gramm = l s = Gewicht von l"'™ 1 reinen Wassers bei seiner grössten Dichte;Kilogramm = l kl = 1000^; Metereentner = l' 1 = 100 kl ; Tonne = l‘ = 100' 1 ) alsGewichtseinheit, — und den Franc (Franken = 4,5 S Silber + 0,5 B Kupfer =100 Centimes) als Münzeinheit. Provisorisch wurde der Meter zu 443“',413 derToise du Perou bei 13° R. angenommen und sodann, nachdem eine inter-nationale Kommission, bei der z. B. Helvetien durch Tralles, Cisalpinien durchLorenzo Mascheroni (Castagnetto bei Bergamo 1750 — Paris 1800; Prof. math.Pavia ) und Batavien durch van Swinden vertreten war, die Grundlagen desGesetzes nochmals durchberaten hatte, definitiv zu 443"',296 festgesetzt. Dasbetreffende Dekret datiert von 1799 IV 24 und zugleich wurde Lenoir beauf-tragt, zwei Normalmeter in Platin auszuführen (denjenigen der Archive unddenjenigen des Observatoriums), sowie eine Art Komparator, um Kopien der-selben möglichst genau vergleichen zu können. Für weitern Detail über dieseletztem Arbeiten kann auf „Ch. Wolf, Recherches historiques sur les etalousde poids et mesures de l’observatoire et les appareils qui ont servi ä les con-struire. Paris 1882 in 4.“ verwiesen werden; dagegen bleibt noch anzuführen,dass schon Delambre (vgl. Base III 140) den Meter auf 443'",328 erhöhen oderdann die Bestimmung treffen wollte, dass der acceptierte Meter seiner Defini-tion bei 8°,445 C. entspreche, und dass später (vgl. 428) Bessel fand, der Metersollte nach seiner Definition 443'",334 halten. — Anhangsweise mag fernererwähnt werden, dass die Ausgrabungen in Ninive beweisen sollen, dass dieAssyrer oder Babylonier schon vor circa 2'/. ä Tausend Jahren eine Art metri-sches System hatten: Ihre Grundmasse waren die Länge vom Ellbogen bis andie Fingerspitzen (Coudee = 1°; Stadium = 300") und ein dazu im Verhältnisvon 3:5 stehender Fuss; Quadratfuss und Kubikfuss waren die Einheiten fürFlächen- und Körpermasse; ein Kubikfuss Wasser war die Gewichtseinheit,welche „Talent“ hiess; die Einteilung war durchweg sexagesimal, wie sie jetztnoch bei Zeit und Kreis gebräuchlich ist. Es besass also schon dieses alteSystem annähernd die schöne Gliederung, der das neue metrische System aus-schliesslich verdankt, dass es nach und nach auch in den meisten andernKulturstaaten eingeführt wurde und in der Wissenschaft jetzt fast ausnahms-los benutzt wird. — f. Glücklicherweise hatten die französischen Messungentrotz der etwas voreiligen Dekretierung des Meters ihren ungestörten Fort-gang, indem nicht nur nach dem Wunsche von Mechain noch eine Fortsetzungbis Formentera auf den Balearen beschlossen und nach dessen Tode, wie ausdem „Reeueil d’observations geodesiques, astronomiques et physiques. Paris 1821 in 4. (auch als Vol. IV der „Base “ zu betrachten)“ hervorgeht, von 1806bis 1808 durch Biot und Arago wirklich durchgeführt wurde, sondern von 1869hinweg, unter Leitung von General Francois Perrier (Vallerange in Gard 1834 — Montpellier 1888) und Kommandant Bassot, teils eine Revision der