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Bon den Wasserkünften/
Lufft bewegt/ nicht als im leeren/ sondern dervorstehende Lufft weichet ihm/ als einem schweren Last/ aus/ und schlägt sich hinten alsobaldwieder zusammen/ das Vacuum zu verhüten;gleichwie wir fehen/ das Wasser dem Schiffals einem lastbaren Cörper/ ausweichen; daßes also/ obswar nicht eigentlich/ doch gleichsamals im Vacuo und leeren beweget wird.
Das ander Argument belangend/ folgetdasselbe noch weniger/ wann man sagt/ dieGörper werden comprimiret oder zusammengetrucket/ darum muffe eine Inanität und Leeredarinnen seyn/ vermittelst welcher sie also eingehen können.
Dann alles/ was condenfirt, vergröbertund eingetrungen wird/ hat ein ander subtilesCorpus ben sich/ welches gedachter massen bezwungen/ aus seinen meatibus und Löchern( darinnen es sich zuvor aufgehalten) heraus-weicht/ und der Eingehung oder condenfirungdes Cörpers Raum gibt; wie wir dann sehen/daß der Lufft aus hefftig zusammen gezwungenem Wasser evaporiret und ausweicht.
Daß sie aber sprechen/ wann ein Dingwachse und vermehret/ oder vergrössert werde/ müsse folgen/ daß innerhalb desselben einLeer bleib/ als welches zuvor nicht so groß ge-wesen/ ist auch genugsam abfurd und unge-reimt/ in Erachtung/ daß solches zunehmen geschicht durch Anwachsung einer andern Grös-se/( oder/ deutlicher zugeben/ durch refolvi-rung einer gröbern Subftantz in cine subtilere)wie dann der Lufft aus dem Wasser generirt/viel gröffer wird/ als gedachte Feuchtigkeit gewesen/ ungeachtet gar nichts darzu kommenift. Hiervon befihe weiter Cornel. Drebbl.Tract.de quatuor Elem. Jtem/ Benjam.Bram.de Vacuo.
Das Argument mit der Aschen betreffend/ift solches wider seine eigne Authores; dannwann die Asche in dem Geschir: das eingeschlossene Wasser annimmt und einschluckt/muß solches geschehen entweder in ein leer odervolles Ort. In dem vollen kan es nicht seyn/weil sonsten ihrer eignen Rede nach/ ein Görper in dem andern war. Derowegen folget/daß es müsse in ein Vacuum oder Leere recipi-ret werden.
So wir nun solches/ ihrem Begehrennach/ gestatten und zugeben/ folget ferner/ daßfolches Vacuum zusammen gehe und augirtwerde; Ergo, was nichts ist für sich selbst/wird augirt und vermehrt/ welches eine über-aus ungercimte Rede ist.
Doch gesetzt/ es werde vermehrt/ gleich einem Cörper/ so folgt/ daß das Vacuum oderLeere/ und das Volle/ eins seyn. Verwerffensie also selber das Vacuum, eben in deme/ daßsie es zubehaubten begehren.
Damit aber/ gedachtes Argument mit derAschen betreffend/ kein Zweiffel hinterlassenwürde/ folvirt solches Eridemus in dem drittenTractat von natürlichen Dingen/ sprechende:daß das eingegossene Wasser von der Äschenangenommen und gleichsam verschlungenwerde/ geschehe solches nicht dergestalt/ als obetliche leere meatus oder ledige Eckelein in derAschen gewesen/ die das Waffer an stat einesGeschiris aufhielten; sondern es seye vielmehrin der Aschen/( wie auch im Kalch/ der ebensmässiges verrichtet) eine innerliche angebohr-ne Hitz und Wärme/ welche die vermischteFeuchte alsobald in Lufft verwandelt/ undausdämpfen macht/ gestaltsam wir solchesdurch den aufsteigenden Rauch und Dunst ausgenscheinlich abnehmen mögen.
Das ander Argument, so von den Weinschläuchen redet/ loset Ariftoteles selbsten auf/in seinem Buch/ von den natürlichen Fragen/nemlich also:
Es wird gefragt/ warum der Wein/ so zusvor ein ganzes Faß gefüllet/ nachmaln in lederne Schläuche gegossen nicht allein mitsambt denselbigen wiederum in das Faß gehe/sondern auch noch mehr Weins zu sich giessenlaffe?
Antwort/ weilen der Wein eine lüfftigeMateri in sich hat/ welche in dem Fasse/ seinerGrösse und Dicke halben/ nicht so leichtlichkan ausweichen/ oder durchtringen/ als in denSchläuchen/ da sie sich nach und nach verliesret/ also folgends beedes den Schläuchen undübrigen Wein Platz macht.
Dann wir sehen/ daß beedes die Feuchteund der Lufft schwerlicher von einem grössernausgetrücket werden/ als von dem so etwas
klein: