78 Geschichte
dem öfters nur auf einige Augenblicke in ihm, undließ niemals einige Rachbegierde hinter sich. Ja,er worein so großer Feind der Rachbegierde, daß eres so weit von sich seyn ließ, ßch an s-inen Feinden zurächen, daß er sie vielmehr durch Wohlwollen zu ge-winnen suchte. Eö ist leicht abzunehmen, wie seinBetragen gegen seine Freunde beschaffen gewesen, daer sich gegen seine Feinde solcher Maaßen auszu-führen gewohnt war. Man kann sich auf alle die-jenigen, welche seine Freunde gewesen sind, berufen;sie bezeugen alle, niemals einen so aufrichtigen Freundgekannt, niemals verloren zu haben. Sein Herz,welches allen offen stand, kannte keine Heucheley,sondern war voll von Aufrichtigkeit und Treue.Nie versäumte er einige sich eräugende Gelegenheitseinen Freunden zu dienen, und war selbst mehr,anderer, als sein eigen Glück, zu befördern beflissen.Doch in der Wahl der Freunde war er langsam,und gönnte nur allein solchen seine Freundschaft,welche sich derselben durch wesentliche Verdienstewürdig gemacht hatten. Es ist wahr, er schiendeswegen verschiednen, welche ihn nicht nahe kann-ten, unfreundlich und selbst hochmülhig zu seyn:allein, wenn in der That jemand demüthig undvon allem aufgeblasenen Wesen entfernt war; sowar er eö. Seine Hochachtung für andre war nieeine Folge einer hohen Geburt, Ranges oder An-fthens, sondern allein einer an ihnen erkanntenTugend und Gelehrsamkeit. Er trachtete nichtnach eigener Ehre, sondern suchte seine Ehre darinn,daß er mit Cato beym Cicero sagen konnte: daß
er