Band 
[Band 4.]
Seite
872
JPEG-Download
 

8?2 Geschichte

Tugenden gezierek, die Lust seiner Eltern gewesen,aber in der Blüte seines Lebens dahin gerissen wor-den. Indem ich dieses laß, dachte ich bey mirselber, weil ich noch viele Jahre zu erleben ver-meinte, vielleicht mag dieser Jüngling von mei-nem Alter gewesen seyn. Ich war deswegen neu-gierig sein Alter zu erfahren, und da ich das GrasHinwegthat, um die Jahrzahl zusehen, fand ich,daß er gerade drey und zwanzig Jahr erreichethatte. Dies rührcte mich sehr empfindlich, weilseine Jahre, ja selbst sein Geburtstag, mit demmeinigen genau übereinkamen. O! dachte ich,vielleicht werde ich auch selber, ehe ein Jahr vorbei-gehet, in dem finstern Grabe darnieder liegen.Ich kehrte dann, voll ernsthafter Gedanken überden so eben erzehlten Vorfall, nach Hause. Meingottesdienstlichcr Eifer wuchs also beständig an:da eS meinem gütigen Gott und Heiland wohlgc-fiel, eine Thür für meine arme Seele zu eröffnen,um solche geistliche Hülfsmütkel, deren ich zum höch-sten benöthiget war, zu erlangen. Die Zeit warnun gekommen, daß ich die Stimme meines Hir-ten kennen sollte. Lobe den Herrn meine See-le! und vergiß nicht, was er dir gurs gethanhat.

Fast um diese Zeit bekam ich des Herrn Her-vey Betrachtungen in die Hände: ich laß siemit vielem Vergnügen: aber eine Sache, nämlichder Ausdruck, daß die zugerechnete Gcrcchtig-keir Christi das Brautkleid der Gläubigen sey,machte fürnemlich auf mein Gemüth einen tiefen

Eindruck.