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Ueber die alten Glasgemälde der Schweiz : ein Versuch / von Wilhelm Lübke
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noch die frühere teppichartige Behandlung bei, allein das Streben nachfreier malerischer Anordnung und Wirkung, nach gedrängter Darstellungeines perspektivisch vertieften Raumes mit einer Anzahl von figürlichenGruppen tritt damit in Conflikt und läßt Werke eines gemischtenStylcharaktcrs aus dieser Kreuzung der Bestrebungen hervorgehen.

Das Hauptbeispiel für diese Epoche, die sich bis in den Beginn'E'/^"-des 16. Jahrhunderts hineinzieht, bietet das Münster zu Bern mitseinen zum Theil noch wohlcrhaltencn Chorfenstcrn. Außer mehrerenfast gänzlich zerstörten oder ungeschickt ausgeflickten sind es im Wesentlichennoch vier Fenster, die ziemlich vollständig ihre alten Glasgemäldcbewahrt haben.

Die Fenster sind auch hier durch zwei steinerne Pfosten getheilt,außerdem aber in der Mitte durch ein Maaßwcrk auch der Höhe nachin zwei Halsten gesondert. Ihre Gemälde sind nach Anordnung,Farbenwirkung und Zeichnung von verschiedenen Meistern seit derMitte des 15. Jahrhunderts bis in das erste Viertel des 16. aus-geführt worden. Das früheste scheint das östliche Mittelfcnster, welchesum 1450 vom Rath zu Bern gestiftet worden sein soll. Wie inKönigsfelden und an vielen andern Orten ist dies Mittelfenster desChores den Darstellungen der Leidensgeschichte gewidmet, die dadurchdem Volke recht eindringlich vor Augen gestellt wurde. Die untereHälfte des Fensters, welche noch ziemlich wohl erhalten ist, enthält ingedrängten Compositioncn das Gebet am Oelbcrge, die GeißelungChristi und die Kreuztragung. Die Anordnung der einzelnen Scenenmit ihren zahlreichen kleinen Figuren in vertieften Gründen ist einedurchaus malerische, der Styl der Zeichnung läßt entschiedene Hinneigungzu realistischer Auffassung erkennen; die Einthcilung hält noch die Mittezwischen der architektonischen Gliederung der früheren Zeit und denmalerischen Tendenzen der neuen Epoche. Jede Scene ist nämlichvon einem Rundbogen umrahmt, der den Einblick in ein perspektivisch