An die Baronesse von *.
Auf Gaiß, im Canton Appenzell , den M. Juni.
28ie es uns bisher ergangen, wirst du, liebe Schwe-ster, sattsam von der allzeit rüstigen Feder deiner Toch-ter vernommen haben. Nun halte ich auch mein Ver-sprechen, dir, so bald ich den ersten Fuß in die Schweiz gesetzt haben werde, selbst zu schreiben; versteht sich beyder ersten Muße eines ruhigen Aufenthalts, denn dasflüchtige Schreiben während der Reife ist nicht meineSache. Wo findet sich Ordnung und Bequemlichkeitzum Schreiben in Gasthöfcn? Bald taugt das Papiernicht, bald die Tinte, und gar ein eigen Schreibzeugnachzuschleppen, mag ich meiner Wäsche nicht zu leidthun, das Ding rinnt so gern; ist auch für einen, derseine Freunde treu zu lieben weiß, ohne ihnen posttäg-lich den Glauben zu stärken, eben kein Bedürfniß.
Ich hätte freylich der Clotildc Schreibmaterialienbenutzen, und dir mit Schwancnfcdcrn auf Velinpa-pier die niedlichsten Sachen sagen können; allein ich
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