Buch 
2 (1828) Die Molkenkur / Ulrich Hegner
Entstehung
Seite
4
JPEG-Download
 

4

scheue mich so sehr vor dem Geiste schrcibseliger Em-pftudsamkeit, der in dir Necessaires reisender Frauen-zimmer gebannt ist, daß ich beynahe lieber das SiegelSalomons auf jener bczaubcrten Flasche losen, als soein Heiligthum der Zärtlichkeit öffnen möchte.

Da sind wir nnn, wcnns dem Himmel gefällt,am Ziel der langen Reise. Ich habe, ungeachtet mei-ner Beschwerden, alles gut überstanden; mein Humor,sagen sie, sey sckon etwas milder geworden; jedochganz ausgesöhnt mit der Welt bin ich eben noch nicht,und lache vor Aerger, wenn ihr glaubet, das Molken-getränk werde den Gcmüthszustand eines Mannes än-dern, der über die Fünfzig hinaus ist.

Mit deinem Kinde hab ich manche angenehmeStunde gehabt; aber, nimm mir nicht übel, liebeSchwester, auch manche Plage. Meinem Ratk hät-test du folgen, und ihr keinen so langen Aufenthalt inder Residenz gestatten sollen; dort hat sie aus demfaden Geschwätz der Mode und neuerer Schriften eineso überschwengliche Idee von der Schönheit des südli-chen Himmels und dem Glücke der südlichen Erde be-kommen, daß ich lange nicht klug werden konnte-, alssie immer von der düstern Lust des Nordens sprach,obgleich wir schönes Wetter hatten, und über denSand klagte, auf dem wir fuhren, der doch meinenpodagrischcn Füßen besser that, als die verwümschtcnStcinklbtzc, über die wir seit einigen Tagen hinrum-pcltcn. Damit machte sie mich oft ungeduldig; denn