Buch 
2 (1828) Die Molkenkur / Ulrich Hegner
Entstehung
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An den Major von *

Auf Gaiß, 21. Juni.

Mit dem Briefe an meine Schwester geht billigauch einer an dich ab, mein alter Waffcngcnosse undHausfreund. Triebe mich nicht die Freundschaft dirzu schreiben, so würde es die Langeweile thun; dennseit ivir hier sind, regnet es an Einem fort, und ist sokalt, daß ich fürchte, es wird noch Schnee daraus.Mein Gott! ist denn das die liebliche Schweiz , woman mitten im Sommer beynahe erfriert? und nichteinmal ein Ofen im Zimmer, und dabey ein verdamm-ter Lärm und ein Hcrumpoltern in dem hölzernenlcichtgcbautcn Hause, daß der Boden zittert. War-um bin ich nicht daheim geblieben, und habe meineSchmerzen verbissen! Wir hatten doch unsre Bequem-lichkeit, warme Stuben, und es war uns ja oftmalsrecht wohl bey unsern stillen Büchern. Molken hatteman auch bey uns absieden können, haben wir dochKühe genug und fettes Futter!

Was ist zu machen! man hat mir nun eine andreWohnung angebothen bey dem hiesigen Pfarrer, miteinem Zimmer das gewärmt werden kann, und fürdas Fräulein einen großen Saal, wie sic's nennen,hinten nach dem Gebirge hin, worüber sie eine großeFreude hat, und die Berge, die noch hinter Mauernvon Wolken verborgen liegen, schon vorläufig geistigempfindet.