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2 (1828) Die Molkenkur / Ulrich Hegner
Entstehung
Seite
23
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Besser machte es ein herumreisender Deklamator,der so eben angekommen war; denn sogar bis in dieAppcnzcllergcbirge versteigen sich diese deutschen Kunst,rcdncr. Der war galanter als der Professor; er nahmdas Gedicht sogleich unter die Stücke auf, die er derGesellschaft vortrug, und wußte auch die zarte Weh,inuth, die darin herrscht, so rührend herauszuheben,daß einigen Zuhörcrinncn die Thränen in den Augenstanden, und das Kammermädchen kaum die Gelegen,heft abwarten konnte, mir zu verstehen zu geben, dieBelohnung, die ich dem unvergleichlichen Manne zu-gedacht haben möchte, könne nicht groß genug sey».Da werde ich nun nicht anders als der Erwartungentsprechen dürfen; und so muß 'ch iinmcr die Sün,den der Welt tragen, wenn ich gleich keinen Antheildaran genommen habe. Nur, er hat dem guten KindeFreude gemacht, das ist auch bey mir kein Kleines!

Für seine andern Vortrüge aber gäb ich ihm nichteinen Pfifferling. Er macht es, wie die meisten, diesein Geschäft treiben; er begleitet alles mit einem Ge,bcrdcn, und Micncnspicl, das auf die Schaubühne ge,hört, wo der Schauspieler als eine in das Dramades Lebens verflochtene Person handelnd auftritt, nichtaber in einen stillen Kreis, wo man nicht sehen, son-dern nur hören will, wie sich ein poetischer Sinn überGegenstände der Empfindung aussprechc, oder wiegroße Thaten durch die Macht der Worte ewige Dauererhalten können. Aus dem Munde Homers floß der