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2 (1828) Die Molkenkur / Ulrich Hegner
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milde Strom seiner Gesänge gewiß nicht mit dem fin-girtcn Feuer eines Sachwalters, und er wollte nichtselbst Achill seyn, wenn er ihn als den ersten der Hel-den sprechen ließ. Wenn Dcmosthcnes vor dem athe-niensischcn Volke sprach, geschah es ohne Zweifel miteiner Begeisterung, die sich über sein ganzes Daseynergoß; da war es natürlich und nothwendig. Abereine Rede, die ihm nachgesprochen wird, vor Zuhö-rern, die nicht der Gegenstand ihrer Wirkung sind,kann und soll auch nicht mit dem gleichen Affekte vor-getragen werden; denn ohne das athenicnsische Volkvor sich zu haben, wäre der hochbcgcistcrtc Redner einübertriebenes Bild. So auch Pindar ; und, wer, dersich einen Anakrcon denken kann, würde mit so einemreisenden süßlichen Schöngeists, der ihn vorstellenwollte, vorlicb nehmen? Die hervortretende Per-sönlichkeit des Vorlesers bewirkt gerade das Gegentheilvon dem, was sie bezweckt; sie zerstört das idcalischeBild, das sich der feinfühlende Zuhörer von selbstmacht. Den Zauber, die Fülle, den Adel der Wortewill man hören, und nicht die nachgeahmte Wirklich-keit vor sich sehen. Die wahre Poesie ist zu heiligfür mimische Lebhaftigkeit, und zu geistig für sichtbareDarstellung; sie kömmt aus dem Unsichtbaren, undTöne allein sind ihr Organ. Die alten Rhapsode»rezitirtcn ihre Gedichte fcycrlich zur Leycr, halbsingcndwar ihr Vortrag, und drang in die Herzen der Hörer.Diese neuen Deklamatoren hingegen stehen in dem