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Siehe, Kamerad, da hast du mich wieder einmahl,wie du mich schon so oft gesehen; beschämt, wo ichRecht zu haben erwartete, blos um der verwünschtenGewohnheit willen, kleine Dinge in den Gesichtspunktder großen zu stellen, und die heutige Welt nach deralten zu messen, wovon ich nicht einmal weiß, obmeine Vorstellungen wahr sind. Ich fühlte meine alteThorheit, und war über mich selbst ergrimmt, undhätte ganze Ströme von Molken hinunter gießen mö-gen, wenn ich damit Milde in mein Urtheil bringenkönnte. Aber was vermögen da die Molken; einWolf kann hundert Schaafc fressen, er wird dadurchnicht sanftmüthig werden! — Laß mich zu mir selbstkommen.
Abends.
Von meiner Reise wollte ich Dir erzählen, undhabe von dem Professor gesprochen. Es ist eine Lustvon einem vorzüglichen Manne zu reden, „unter jeg-licher Form bleibt er der edelste Stoff." Wer willaber einen Menschen beschreiben mit seinem Licht undSchatten? Züge können wir wohl von ihm erzählen;führt man aber nur die guten an, so ist man einseitig,und wer mag gern von den andern reden! doch gehö-ren beyde ins Gemählde; und wenn man auch allesgemahlt zu haben glaubt, so ist es doch noch nicht derMensch. Auch der Einfältigste ist unergründlich; wererforschet das Innere des Klugen?