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2 (1828) Die Molkenkur / Ulrich Hegner
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149
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Ich schreibe dir so wie die Feder läuft, so wieich mit dir zu sprechen gewohnt war, und so wie ichdenke, abgebrochen und sprungweise; das kann ich nichtmehr ändern. Wenn ich an einen Freund und Ver-trauten schreibe, so mag ich nicht scheinbaren Zusam-menhang langsam in meine Feder hincinkanen, son-dern ich gehe gern von einem Gegenstände zum an-dern über, wie es mir einfällt; und damit, ich weißes, ist der Freund zufrieden. Gewöhnlich sind es auchdie Briefe, welche man am liebsten liest, worin umEntschuldigung wegen Eilfertigkeit und dadurch verur-sachten Mangels an Zusammenhang gebethen wird.

Wirst du jetzt nach diesem Allem, was du vonmir vernommen, auch die Meinung hegen, wie mirmeine Begleiter zu verstehen geben, daß mein Ge-müthszustand heiterer, meine Laune milder geworden?Sie sagen es zwar nicht gerade heraus, weil sie wohlwissen, daß ich (und dieser Ich ist wohl jedermann)das Lob über einen abgelegten Fehler nicht gerne hö-ren mag, auch wenn ich sonst kein Hehl von meinenMangeln mache. Ich will sammt meinen Unvollkom-mcnheitcn geliebt seyn, so wie ich andre ja auch mitInbegriff der ihrigen liebe; jenes Complimcnt aberseht uns in ein erniedrigendes Verhältniß mit dem Lo-benden, der sich uns damit gleichsam wie ein Kernge-sunder einem bloß Genesenden gegenüber stellt. Siegeben es mir z» verstehen, sage ich; und ich fühleselbst, daß ich mir und andern erträglicher geworden