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2 (1828) Die Molkenkur / Ulrich Hegner
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Hausincistcrin des Obersten nichts als französisch spre-chen. Aber der natnrgcwohnten Blume war dasZwingbect zuwider, sie blnhcte dann weniger lebendigund frisch, und schien sich immer nach den freyen Lüf-ten, und dem lieben Gärtner, der sie zuvor gewartethatte, zu sehnen; und der Oberste, so bald er wiederallein war, konnte ihrem Verlangen nicht entgegenseyn: Die Unschuld, bemerkte er, müsse man nichtzwingen, so lange sie nicht aus ihrer Bahn trete, sonstmache man sie zur Schuld, und für diese sey dannerst der Zwang gut; einem bloßen Kinde schon seinenStandcsvorzng begreiflich machen, heiße es prinzlicherziehen, das aber sey, wie die Erfahrung lehre, nichtimmer die beste Erziehung.

So verflossen den Glücklichen die Tage der Kind-heit im Sonnenscheine sorgen- und schuldloser Vcr-'traulichkcit. Auch wenn es zum Unterricht ging, blie-ben sie »«getrennt, welches jedoch die Baronesse nichtungern sah; denn da das feinere Mädchen schnellerbegriff, als der sich langsamer entwickelnde Knabe, unddaher alles besser konnte, so schmeichelte ihr das; undsie mochte darum dem Gustav auch den Vortheil gön-nen, daß er neben Clotilde von der Hausincistcrin fran-zösisch lernte, wenn nur dabey der gehörige Unterschiedstreng beobachtet, und der angemaßten Meisterschaftdes Knaben über ihr Kind Einhalt gethan würde.Selbst als Gustav anfing Latein zu lernen, durfteClotilde den Stunden, die der Pastor seinem Knaben