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2 (1828) Die Molkenkur / Ulrich Hegner
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308
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Es war ein schöner Tag, ein wolkenloser Him-mel; und was auf den Bergen selten ist, es wehtennur leichte, erfrischende Lüfte. Zur Seite hatten wirdie starren Eisgcbirgc Appcnzells, hinter uns die Bündt-ner- und Tiroler-Berge, und vor uns den Spiegeldes Sees und unübersehbares Land. Ich freute michwie ein Kind, daß mein Wunsch erfüllet war, aufeinem Berge Abschied von der Schweiz zu nehmen,das Lebewohl zuzurufen dem auch in seiner Verarmungnoch glücklichen Lande, den Bergen und Thälern undSeen und Flüssen und Bäumen. Wir tranken aufdas Wohl seiner biedern Bewohner, und auf die Ge-sundheit unsrer Freunde, die dort jenes weiße Pünkt-chen beleben, das man Grüncnstein heißt; wer vonihnen hätte uns hier vermuthet?

Auch meinen Reisegefährten ergriff auf dieser sccl-crhebcndcn Schauhöhc dieFlamme der Menschen-freundlichkeit" (kiamms cli csrirs), wie sie Dantebeym Anblicke seiner Bcatricc empfand, und wie siesich in jedem regt, der von dem wahren Schönen ge-rührt wird, es gehe aus von welchem Gegenstand eswolle. Möge Gott mir verzeihen, rief er, in demMaaße, wie ich von nun an der Freundschaft undmilder Liebe leben will! Er öffnete mir sein Herzund erzählte mir sein Leben, oft mit Thränen; nichtsNiedriges kömmt darin zum Vorschein, aber was beydiesen jungen Leuten, die mit ihrer Willkühr und ih-rem Gelde nie fertig werden, häufig der Fall ist, Aus-