XIII
lippinen ein Kieselgulir aus Infusorien, bei Kliecken im Dcssauisclien aber eine essbare Infusorien-Erde be-obachtet (s. ebenda Juni 1838.), so dass die Zahl der fossilen Infusorien-Arten jetzt 103 beträgt und eineüberaus grosse, die ganze Erde umfassende, Verbreitung vor Augen liegt.
Wenn nun auch die jetzige schärfere Beobachtung die früher an den Infusorien bewunderten vorn er-wähnten Eigenschaften sämmtlich als unerwiesen und unbegründet bat erkennen lassen, wie es an den be-treffenden Orten specieller erläutert wird, so bat sich doch eine grosse Reibe höchst merkwürdiger Eigen-schaften und Verhältnisse durch eine genauere Nachforschung bestätigen oder entdecken lassen, welchezum Theil ein grosses physiologisches Interesse wirklich in Anspruch nehmen. Folgendes ist die Uebersicht
der im Texte abgehandelten, begründeten und besonders merkwürdigen Eigenschaften und Verhältnisse derInfusorien:
1) Alle Infusorien sind organisirte, zum grossen Tlieil, wahrscheinlich alle, hoch organisirte Thiere. ass jn ikrosko-
pischen Organismen nur Thiere, nicht Pflanzen wären, wie Buffon meinte, ist irrig; viele Pflanzen bestehen eu ici
pischen Einzclformen. . . Unftlich
2) Die Infusorien bilden 2 ganz natürliche Thierclassen nach ihrer Structur, lassen sich nach der truc ur wusen
abtheilen und erlauben keine Vereinigung ihrer Formen in gleichen Gattungen oder Familien mit grösseren Thieien, so ainicoft erscheinen.
3) Die Existenz von Infusorien ist in 4 Welttli eilen und im Meere nach gewiesen, und einzelne Arten sind in den entfern-testen Erdgegenden dieselben.
4) Die geographische Verbreitung der Infusorien auf der Erde folgt den schon bei andern Naturkörpern erkannten Gesetzen.Nach Süden hin giebt es in andern Weltgegenden stellvertretende abweichende Formen inehr als nach Westen und Osten, aber sie feh-len nirgends, auch betrifft die climatische Verschiedenheit der Form nicht bloss die grösseren. Im Meerwasser und Salzwasser leben
zahlreich andere Formen, als im Flusswasser, viele aber sind dieselben und gewöhnen sich an verschiedene sehr abweichende Ver-hältnisse.
5) Die meisten Infusorien sind dem blossen Auge unsichtbar, viele sind aber als bewegte Pünktchen sichtbar und bei keinemübersteigt die Körpergrösse eine Linie. Die Organisation aller ohne Ausnahme ist für das blosse Auge völlig unsichtbar.
6) Die unsichtbaren kleinen Infusorien färben durch ihre zahllosen dicht gedrängten Mengen ausgedehnte Wassermassen mitauffallenden Farben.
7) Sie verursachen, an sich unsichtbar, eine Art des Meeresleuchtens durch eigene Lichtentwickelung.
8) Sie bilden, einzeln unsichtbar, eine Art der Dammerde durch dicht gedrängte lebende Massen.
9) Da zu 1 Cubikzoll Erde oft mehr als 41000 Millionen einzelner Thiere gehören, so geben die Infusorien die grössten
numerischen bekannten Verhältnisse des selbstständigen Lebens, sie bilden die Hauptzahl, vielleicht die Hauptmasse der tbierisch beleb-ten Organismen auf der Erde.
10) Die Imusorien haben die in der gesammten organischen Natur bis jetzt bekannte grösste zeugende Kraft. Bei ihnenist die Möglichkeit zur Vervielfältigung des Einzelnen bis zu einer Million in wenig Stunden. Da eine Vorticelle oder Bacillarie sichbinnen 1 Stunde theilt und nach Zwischenzeit von 1 Stunde wieder tlieilt, also in 3 Stunden aus einem 4 werden und in 5 Stundenaus einem 8,'in.7 Stunden aus einem 16, so ist es möglich, dass in je 24 Stunden 4096 Einzelthiere ans 1, in 48 Stunden oder2 Tagen aber 8 Millionen und in 4 Tagen 140 Billionen werden. Im Biliner Polirschiefer bilden ungefähr 41000 Millionen Gallio-nellen immer 1 Cubikzoll Stein, daher etwa 70 Billionen 1 Cubikfuss (1728 C.-Zoll = 1 C. Fuss). Mithin könnte ein Thierchendurch blosse Selbsttheilung in 4 Tagen möglicherweise 2 Cubikfuss Stein bilden. Diese so gleichmässig fortgesetzte Productivität scheintdurch andere äussere Bedingungen zwar sehr gehindert zu seyn, aber so viel Kraft ist in ihnen schlummernd ohne Uebertreibung vor-handen. So blühen die Bäume überschwenglich und tragen nur massige, oft keine Früchte!
, beobachtete Fortpflanzung der Infusorien durch Selbsttheilung giebt eine, alle Berechnung möglicher Zerstörung des
Individuums aufhebende, mögliche Erhaltung und Verbreitung derselben in Meeren und Lüften, welche poetisch genug au Unsterblichkeitund ewige Jugend grenzt. Man theile sich in zahllose immer neue Theile, um zahllose Jahre zu leben und jung zu seyn. (S. p. 290.)
^ ^nospenpaarung, welche vielleicht doch das noch ungelöste polyembryonische Räthsel aller Pflanzensamen und Pflan-zen u ttn e einsc i lesst (alle Bäume, Sträucher und Pflanzen sind offenbar den Corallenstöcken ähnliche Blüthenstöcke, vergl. de Myce-togenesi , 1820.), liegt auch bei den Spindeltkierchen am Tage.
13) Die Infusorien bilden durch ihre Kieselschaalen unzerstörbare Erden, Steine und Felsmassen, welche, die Geschichte des
ensclen schon jetzt weit überragend, vielleicht einst zu, alle kalkigen, leichter zerstörbaren Organismenreste überragenden, Denkstei-nen der Erdbildung werden. & 6
,. . ^ an kann aus unsichtbaren Infusorien mit Kalk oder Soda Glas bereiten, kann schwimmende Ziegelsteine aus ihnen fer-
’ S1G , a * Feneisteine benutzen, wahrscheinlich Eisen aus ihnen bereiten, mit ihnen als Tripel Silber poliren und formen, als Ockeren n a s Moder und Dammerde düngen, auch aus ihnen gebildetes Bergmehl gegen den Hunger als unschädliche Füllung anwenden.
unsichtbaren Infusorien schaden zuweilen und allein, wie es scheint, durch Tödten der Fische in Teichen, durchersc i äininen des klaren Wassers, durch Sumpfgeruch und durch Schreck abergläubischer Menschen. Dass sie die Sumpflieber, Pest undandere. Kian leiten bedingen, ist unwahrscheinlich und nie glaubwürdig nachgewiesen. Bei der Cholera in Berlin 1832 sah ich keineausseroidentlichen Erscheinungen in den Gewässern, noch in der Atmosphäre. Zwar giebt es sehr kleine Krätzmilben und Eitermilben,aber vom Baal-Scbub und der Pestfliege der Orientalen an bis zur Furia infernalis Linne’s und dem Cholerathierchen ist alles bis-her unerwiesene Behauptung und Aberglaube.
16) Die Infusorien sind, so weit die Beobachtung reicht, schlaflos.
17) Die Infusorien zerfliessen theilweis beim Eierlegen und verändern dadurch passiv mannigfach die Form.
. 18) Die Infusorien bilden unsichtbare Eingeweidewürmer vieler Thiere und des Menschen, auch wenn man die Spermatozoen
von ihnen ausschliesst.
d