oder Pilz-Stoffen und wird nicht über Viooo Linie im Durchmesser gross, ist aber oft nur halb so gross und noch viel kleiner. Siclebt im Wasser, worin thierische Theile liegen und sich aufzulösen anfangen, stirbt aber mit weit vorrückender Fäulniss derselbenund ihre zahllosen Cadaver kommen dann an die Oberfläche des faulen Wassers und bilden eine farblose dicke Gallerthaut darauf. Spä-ter sinken sie zu Boden, das Wasser klärt sich wieder, verliert seinen Geruch und kann dann neuen Formen zum Aufenthalte und zurEntwickelung dienen. Farbestoffe habe ich sie nie aufnehmen gesehen. Oft findet sie sich im inneren Körper anderer, todter Infuso-rien oder grösserer Thiere und in deren verdorbenen Eiern. Dabei scheint sie sich ganz so za verhalten wie Käfer- oderFliegen-Larvcn in grösseren Thieren. Ihr Vorkommen in allen wässrigen Feuchtigkeiten, welches bei Zuthun von Fleisch ihre schnelle Ver-mehrung möglich macht, lässt sich mit den zahllosen Samen der Pflanzen im Brach- oder Stoppellande vergleichen, die man im Herbstund Winter läugnen möchte, aus denen aber in jedem Frühjahr sich eine dichte Decke des üppigsten Pflanzenlebens entfaltet. Thutman einen thierischen fleischigen Theil, oder auch einen Pilz in ein Glas mit Wasser, so vermehrt sich diese Monade gewöhnlich,wenn auch nur eine darinnen war, in wenigen Stunden zu unberechenbaren Mengen. Ein kleiner Tropfen zeigt unter dein Mikro-skope ein so dichtes Gewühl, dass man keine Zwischenräume zwischen den Individuen annehmen kann. Sie drängen sich an einan-der vorbei. Sind die Thierchen, wie es häufig der Fall ist, V 2000 Linie gross, so beträgt ihre Menge in einem 1 Cubiklinie gros-sen Wassertropfen, den sie gedrängt erfüllen, die Cubikzahl von 2000, also 8000 Millionen, und mithin in 1 Cubikzolle desselbenWassers, welcher 1728 Cubiklinien enthält, 13 Billionen und 824000 Millionen. Rechnet man auch ihre Grössen im Mittel nur zu1 /i5oo Linie im Durchmesser, so steigt immer die Zahl der Individuen eines so dicht erfüllten Tropfens auf 3375 Millionen. Igno-rirt man die Hälfte, um den einzelnen Thierchen grösseren Spielraum zu geben, so bleiben immer noch 1687 Millionen für einen T 10 -pfen. Wollte man aber einem solchen 1 Cubiklinie grossen Tropfen nur 100 Millionen Thiere zugestehen, so würde in demselben, daer 8000 Millionen aufnehmen kann, ein leerer Raum für 7900 Millionen gleichgrosser Thiere bleiben, mithin für die Individuen einweit grösserer Spielraum übrig seyn, als der ist, welchen man sieht, und es würde die Möglichkeit jenes Gedränges wegfallen, welchesdie Beobachtung doch klar und unwiderleglich erkennt. Man vergleiche die Zahlen der Scliaalinfusorien des Biliner Tripelbergesunter Gaillonella distans , Tafel XXI.
Obschon diese kleinste Monade genau genommen nicht mit vollem Rechte in das Thierreich gezogen werden kann, weil anihr jene organischen Systeme des inneren Körpers noch nicht entdeckt sind, welche ein Thier charakterisiren, so liegt doch ein Grundklar vor Augen, warum sie nicht beobachtet werden konnten, weil nämlich die Monade zu klein und durchsichtig ist und weil die durchunsre zeitgemässen Hülfsmittel verstärkte Sehkraft in solche Tiefen noch nicht zu dringen vermag. Derselbe Grund verbietet aber na-türlich auch zu behaupten, dass es kein Thier sey. Ihre Bewegung, ihre Vermehrungsweise, ihre Form, ihre Substanz und ihr Zu-sammenseyn mit entschiedenen Thieren sprechen sämmtlieh für den thierischen Charakter. Gleichzeitig mit ihr leben nämlich häufig Spi-rillum Rugula und Leucophrys carnimn , welche letztere Form den thierischen Organismus deutlich zeigt. So steht denn MonasCrepusculum an der Grenze der Sehkraft und deutet darauf hin, dass diese Grenze der menschlichen Wahrnehmung noch nicht dieGrenze der organischen Natur ist.
Er kl ärung der Abbildungen Taf. I. Fig. I.
Fig. «. ist 450 Mal im Durchmesser vergrössert, bei 9 Zoll Abstand des Auges vom Object.
Fig. b. ist 820Mal vergrössert. Stärkere Yergrösserungen geben Verlust an Deutlichkeit und keinen Gewinn an Einsicht in die Structur. Bei 3000-maliger Vergrösserung im Durchmesser siebt man sie in der Form wie Fig. II. b ., aber im Wesentlichen nicht anders, nur unklarer.
Monas Tenno , Schlussmonade. Tafel I. Fig. II.
M. hyalina, subglobosa, agilis, lierbivora, >/soo lineae partem attingens ant duplo vel tripln minor.
Monade Terme , hyaline, spheroide, agile, herbivore, ayant V 250 millimetre de longuenr, souvent 11 ayantque la moitie ou le tiers.
Hemprich u. Ehrenberg, Symbolae physicae. Evertebrata I. Tab. II. 1828. Text 1830. Pkytozoa Polygastrica Fol. d. 2.
Organisation der Infusorien, Abhandlungen der Berliner Akademie, 1829. p. 16. 1830. p. 64. und p. 74. Tafel I. F. I. 1832. p. 56.
Poggendorff’s Annalen der Physik 1831. p. 30. Taf. I. Fig. I.
Aufenthalt: In allem stehenden Wasser häufig zu allen Jahreszeiten hei Berlin ; in der Oase des Jupiter Ammon bei Siwa in Nord afrika ; iin Gebirgswasser des Wadi Essle am Sinai ; im Pfeffer-Aufguss bei Tor in Arabien; im Flüsschen Belaja Reka bei Koli-wan im Altai ; im Wasser der Iset bei St. Catharinenburg im Ural ; in der Kupfergrube Soimonofskoi im Ural , bei 6 LachterTiefe; im Newa-Wasser zu St. Petersburg ; im Ostseewasser bei Wismar ! im Nordseewasser bei Christiania und Droebak in Nor wegen ! im Gruhenwasser von Freiberg aus grosser Tiefe und im Carlsbader Mineralwasser in Berlin !, von Dr. Werneck in Salz burg ! beobachtet.
Ob 0. F. Müiiers Monas Termo diese oder eine andere ähnliche Art gewesen, lässt sich nie mehr mit Sicherheit ent-scheiden. Auch sind alle aussereuropäischen von mir selbst gemachten Beobachtungen nur in sofern sicherer, als ich mit denselben Au-gen und Instrumenten die Umstände, Zeichnungen und Maasse vergleichen konnte. Die mit Indigo-Nahrung und genau geprüften, mit-hin sichren hierher gehörigen, Vorkommen sind durch ! ausgezeichnet und stellen eine grosse Verbreitung in Europa fest.
Die Schlussmonade bildet die Grenze der wirklich beobachteten deutlichen thierischen Organisation. Sie ist immerfaiblos, kugligj j u i], rer Bewegung rasch, nährt sich von Pflanzenstoffen und erreicht Vsoo Linie an Grösse, ist aber meist Viooo bisVisoo Linie gross, oft kleiner. Man sieht die grösseren Individuen immer in Gesellschaft von kleineren, die bis V 2000 Linie im Durch-messer haben und auch deshalb wohl offenbar jüngere Thiere derselben Art sind, weil sie sich gegen künstlich gereichte Nahrungganz gleichartig verhalten.
Ein sichrer Beweis der Thierheit dieser Form ist, dass sie in das Wasser gemischten Indigo unter Wirbeln am Vorder-ende sichtlich verzehrt und nach kurzer Zeit 1 — 6 innere blaue Flecke, als eben so viele Magen, erkennen lässt, welche sie damitangefüllt hat. In Flüssigkeiten, worin Pflanzentlieile sich auflösen, die ihr als reichliche Nahrung dienen, vermehrt sie sich ganz gewohnlich zu zahllosen Mengen, und man kann durch Aufguss von Wasser auf frische Pflanzentlieile diese Vermehrung leicht begünsti-gen. Zwar hat man viel von unmittelbarem Belehtwerden der Pflanzentheilchen selbst geschrieben, allein je mehr ich die Structur und Ent-wickelung der einzelnen mikroskopischen Thierformen verfolgte, desto unwahrscheinlicher wurde mir solche Bildung, für die ich bei mei-ner überaus vielfachen absichtlich gesuchten Gelegenheit dazu, nie eine sichere Beobachtung erlangen konnte. Dagegen habe ich neuer-lich auch an vielen Individuen der Monas Termo einen einfachen fadenförmigen Rüssel erkannt, mit dessen Hülfe sie ihr Wiifieln und