Buch 
1 (1828) Auch ich war in Paris / Ulrich Hegner
Entstehung
Seite
278
JPEG-Download
 

278

Z i< Landschaften wird meistens nach Berghem undVernel studiert, selten nach Dujardin und Potter, mehrnoch nach RaySdael, nicht nach Schwanevelt, Both,Poussin , nicht nach Claude; warum nach dem Schön-sten nicht? — Weil da« Schönste jederzeit mehr Be,wunderer als Nachahmer gefunden hat, und der Menschin seinen materiellen Neigungen nicht gern über denComparativ hinaus geht. Zudem mögen Berghem undVernet, von denen jener sich durch einen geistreichen,und dieser durch einen zierlichen Styl auszeichnet, ammeisten mit der französischen Gemüthsart übereinstim-men, und dieser homogene Zug des Charakters, derin der Welt so oft die stattlichsten Gründe aufwiegt,scheint auch hier die Vorliebe, welche sie zwar nichtmit Worten bekennen, aber durch die That offenbaren,zu.bestimmen. Claude Lorrain gehört zu den seltenenMenschen, die ihr Glück nur in der Stille finden, undderen Kraft in der Einfalt ist; sie wissen im Lebenund In der Kunst wenig von Regeln zu schwatzen, aberihre schöpferische Geisteskraft erwacht im Handeln, undsie stellen Werke dar, die selbst zur Regel werden.Seine Gelehrigkeit war langsam, und ihm ward nichtsvon den oberflächlichen Vorzügen zu Theil, welche diegroße Welt protegirt; aber feine Seele war ein klarerSpiegel, in dem sich die stille Herrlichkeit der Naturoffenbarte, er schaute sie mit der Kraft des reinstenDichlergefühis, und ruhte nicht in Ernst und Fleiß,bis ihm zuletzt auch die Hand gehorsam war, und er