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Mahlerische Reise in die italienische Schweiz / mit geäzten Blättern von J. H. Meyer
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Kälte Uöd Frost hatte Uns auf der Höhe des Gottbards gezwungen, die Kleider einzu-kniipsen; im weitem Fortzuge durch Livenen fühlten wir schon Italiens Klima. Hier sinddie hohen Ketten der Schneegebtirge dem wärmern Himmelsstriche nicht mehr entgegen, dahingegen dem kalten Nordwind der Zugang gleichsam verschlossen ist. Um so mehr verstärktsich die Mittagsbize in den südlichen Thälern, je häufiger hohe Felswände die Sonnenstralen

zurükwerfen.-Unweit Eriels ( S. Tab. IV.~) fällt der Tizin zwischen getrennten Felsen

mit lautem Rauschen durch ; die Strasse zieht sich zur Rechten in der feuchten Kluft neben demFlusse hin. Am Ausgange des Felsenweges ist eine Kapelle, wo sich das Thal wieder öffnet.Hin liebliches Buchwäldchen am Ufer des Tizin ladet bey sengender Mittagshize in feine Schat-ten. Vorüber rauscht in schäumendem Bogenfall ein starker Bach über Felsen durch Gebüscheherab. Sein wildes Tosen mischt sich ins Plätschern 'des Flusses und ins Geläute vorüberziehenderSaumpferde. Ermattet warfen wir uns da ins Gras und. erwarteten die gemilderte Abendluft.Immer angenehmer wird dieses Thal, je weiter man hineinkömmt. Bald sind es artige Hüttenvon einfacher Bauart, bald Mühlen mit Wasserleitungen, bald herabfallende Bäche, die das Äugedes Reisenden beschäftigen. Die Marktzeit zu Faido veranlasste eine grosse Belebtheit derStrasse. Viele Leute beyderley Geschlechts , ganze Heerden Kühe, Ziegen, Schaase undSchweine, und ganze Karavanen von Saumpferden begegneten uns. Aber jezt kam noch dieSchönheit des Abends dazu. An den Gebürgen schwebte eine herrliche Beleuchtung, die sich in