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Beschreibung der sechs Reisen, welche Johan Baptista Tavernier ... in Türckey, Persien und Indien innerhalb viertzig Jahren durch alle Wege die man nach diesen Länderen nehmen kan verrichtet : worinnen unterschiedliche Anmerckungen von der Beschaffenheit der Religion, Regierung, Gebräuchen und Handlungen jeglichen Landes enthalten samt den Figuren, Gewichten und dem Mass der Müntzen, welche in diesen Länderen gangbar sind ...
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che, Die?ihrem belieben/ und hernacher verheurahten ſte

Drittes Buch.

Mater/ und endige/ was ich noch zu ſagen ha-be von den Gewonheiten dieſer Völckern.Biſchoͤffe ſcheiden die Eheleute nach

die abgeſchiedene Perſon wieder mit andernund ſchicken die Per ſon/ ſo ſie meinen/ daß ſieunrecht habe/ zu verkaufen ſo jemand ſich nichtnach Wunſch verehelichet hat/ der verlaſſetſein Weib/ und nimt eine andere vor eine Zeit/ſo jhme gefalt/ und bezahlt ſie/ wie die Turckenthun. Der meiſte Theil under jhnen weiß nicht/woas es zu bedeuten habe/ daß man die Kinderkauf fen laſſe. Zwey oder drey Tage/ nachdemeein Weib niederkommen/ komt ein Prieſter mitOel/ thut einige Gebate/ und ſalbet darauf dieMutter und das Kind/ und glauben/ daß ſol-ches genug zur dirt ſey. Ins gemein ſiehetman nicht/ daß dieſe Voleker weder in ihrenGebattern/ noch in andern Ceremonien einigeAndacht haben. Es gibt bey ihnen viel Kloͤſteroder S. minaria, die Jugend zu erziehen/ wie

ſchon gemeldt/ aber man findet viel mehr Toch-ante ter darinn als Knaben. Die Tochter legen ſich

mehr aufs ſtudieren/ als die Prieſter ſelbſten/und wann ſie weit darinn kommen ſeynd/(esſey/ daß ſie im Kloſter verbleiben/ oder daß ſieſich in Dienſten groſſer Herꝛen begeben) ſo ho-ren ſie die Beicht/ ſie tauffen die Kinder/ leitenzur Ehe/ und verſehen andere dergleichen Ver-

richtungen der Kirchen/ welches eine Gewon-

heit iſt/ die/ ſo viel ich weiß/ in keinem Ort derWelt/ als in dieſen Landern gebrauchlich iſt.

Das XI. Capitel.

Von Comanien und Oircaſſien, wie auch

von etlichen ſichern Voͤlckern/man Kalmouchs nennet.

e Omanien erſtrecket ſich gegen Auf-gang/ biß ans Caſpiſche Meer/ gegen

a Niedergang wirds durchs Gebürgeunderſcheiden; von Circallen gegen Norden/ſtoßt es an Moſeau/ und hat Ceorgien gegenMittag; von den Bergen an/ ſo es begraͤntzen

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Waſſer/ weilen es imtnerdar trüb iſt/ und ſo

laugſom fleußt/ daß man kaum mercken kan

ob der Strom dieſenoder jenen Weg abfieſ-ſe. Und aiſo ergeußt er ſich allgemach in das

Caſpiſche Meer gegen Mittag des Munds

oder Außlauſfs der Volga. Es iſt nicht weitvon dieſem Fluß/ wo langs dieſem Meer nach

an beyden Seiten in den Ockober⸗ und No-

vember⸗Monaten/ eine groſſe Menge Fiſchehervor lauffen/ welche biß auf vier Fuß langſeyn. Fornenher haben ſie 2. Fuſſe/ ſo den Han-den gleich/ hindenher aber haben ſie an ſtaktder Fuüſſe vier Klauen. Dieſe Art Fiche habengar kein Fleiſch/ es iſt lauter Fett mit einemeinigen Gradt in der Mitten. Und weilenſie auf der Erden nicht ſchnell lauffen konnen/ ſoſchlagen die Bauren ſie mit Bengeln tod/ undmachen Oel darauß/ welches eins von den be-ſten Einkommen dieſes Lands iſt. 1ie Voͤlcker in Comanien Comouchs

genannt/ wohnen meiſten Theils unden an Einwohner.

den Bergen/ von wegen der ſchoͤnen Quel-len/ welche in ſo groſſer Menge auß denſel-ben entſpringen/ daß etliche Doͤrffer derendreiſsig biß viertzig haben. Sie leiten dreyoder vier derſelben zuſamen/ und machen einCanal darauß/ ihre Muͤlen zu treiben. DieBequemlichkeit dieſer Waſſern aber/ iſt nichtallein die Urſach/ warum ſie ſich alſo an denBergen aufhalten/ geſtalten ſelbige ihnenauch quf der Ebne nicht ermanglen/ ſondernweilen dieſe Volcker meiſtentheils vom Dieb-ſtal/ ſo ſie theils anjhren Feinden/ theils underjhnen ſelbſten begehen/ leben/ ſtehen ſie inſtater Forcht/ man mochte ſie überfallen/ ſobald ſie aber das Geringſte davon vermer-cken/ fliehen ſie in das Geburge mit ſamt demVieh. Wie dann alle die benachbarteVolcker/ von welchen ſie gleichſam umgeben

ſeynd/ als die von Georgien; von Mengre-

lien, 5 Circaſsien, Tartarien und Moſco-

viter

on dem Diebſtal ſich erhalten/ und

jhre Lander under einander durchlaufen/ ind

Mn,, 1Es hat noch andere Volcker/ welcheman Kalmouchs nennet/ welche an der Sei-

der gegen Abend biß an Tercki,(welchesein Fluß te des Caſpiſchen Meers zwiſchen den Mo-n fe 8 72 75 ſcowitern und Groß⸗Tartaren wohnen/ ſel-

de kamen ift/ ſo Comanien von Moſcau underſcheldet⸗ n/ ſel x,nad hat es eine ſchoͤne Ebne/ ſehr bequem zum Acker⸗ bige ſeynd ſtarcke Leute/ aber auch die heß⸗ Hgſhſchebau/ und in welcher es an ſchonen Wieſen nicht lichte und ungeſtalteſte under der Sonnen. esa derermangelt. Jedennoch iſt dieſe Ebne nicht gar Ihr Angeſicht ift ſo plat und breit/ daß das Lelouch.

eine Aug 5. oder 6. Finger breit von dem an-

volckreich/ und dahero geſehichts/ daß man ei-

nen Acker nimmermehr 2. Jahr nach einander

beſaet. Es iſt bey nahe eben eine ſolche Art Lan-des/ wie man zwiſchen Paris und Lyon findet/

es regnet da von Seit zu Zeit/ und dennoch

durchgraben die Bauren die Fluſſe/ um dasWaſſer durch Canale auf jhre Aecker zu lei-

ken/ welches ſie ohnlaͤngſt von den Perſianern

erlehrnet. Dieſe luſſe fallen von den Bergengegen Mittag/ und ſeynd in den Landkarten nitzeichnet. Under anderm findet ſich einer/ wel-

dern entfernet iſt. Ihre Augen ſeynd unge-wohnlich klein/ das wenige/ ſo ſie von derNaſe haben/ iſt ſo plat/ daß man da nichtsals zwey kleine Oeffnungen ſtehet an ſtatt derNaſenlocher. Ihre Knie ſeynd auſfenwartsgebogen/ die Fuͤſſe aber einwarts gegen ein-

ander; mik einem Wort/ man kan ſich nichtsſo ungeſtalt einbilden. Im übrigen aber

ſeynd ſie gute Soldaten/ und weichen in die-ſein Stuck keinen andern Volckern dieſer Ge-

gend. Wann ſie zu Kriege gehen/ nehmenſie jhre Weiber/ und die Tochter ſo über;zwoͤlf Jahr erꝛeichet/ mit ſich/ wie. ſel-

i ige

cher ſehr groß iſt/ und welchen man nicht durch-watten kan in welcher Jahrzeit es auch ſeynöge. Man nennet yyn Coyaldu, das it/ dick