che, Die?ihrem belieben/ und hernacher verheurahten ſte
Drittes Buch.
Mater/ und endige/ was ich noch zu ſagen ha-be von den Gewonheiten dieſer Völckern.Biſchoͤffe ſcheiden die Eheleute nach
die abgeſchiedene Perſon wieder mit andernund ſchicken die Per ſon/ ſo ſie meinen/ daß ſieunrecht habe/ zu verkaufen ſo jemand ſich nichtnach Wunſch verehelichet hat/ der verlaſſetſein Weib/ und nimt eine andere vor eine Zeit/ſo jhme gefalt/ und bezahlt ſie/ wie die Turckenthun. Der meiſte Theil under jhnen weiß nicht/woas es zu bedeuten habe/ daß man die Kinderkauf fen laſſe. Zwey oder drey Tage/ nachdemeein Weib niederkommen/ komt ein Prieſter mitOel/ thut einige Gebate/ und ſalbet darauf dieMutter und das Kind/ und glauben/ daß ſol-ches genug zur dirt ſey. Ins gemein ſiehetman nicht/ daß dieſe Voleker weder in ihrenGebattern/ noch in andern Ceremonien einigeAndacht haben. Es gibt bey ihnen viel Kloͤſteroder S. minaria, die Jugend zu erziehen/ wie
ſchon gemeldt/ aber man findet viel mehr Toch-ante ter darinn als Knaben. Die Tochter legen ſich
mehr aufs ſtudieren/ als die Prieſter ſelbſten/und wann ſie weit darinn kommen ſeynd/(esſey/ daß ſie im Kloſter verbleiben/ oder daß ſieſich in Dienſten groſſer Herꝛen begeben) ſo ho-ren ſie die Beicht/ ſie tauffen die Kinder/ leitenzur Ehe/ und verſehen andere dergleichen Ver-
richtungen der Kirchen/ welches eine Gewon-
heit iſt/ die/ ſo viel ich weiß/ in keinem Ort derWelt/ als in dieſen Landern gebrauchlich iſt.
Das XI. Capitel.
Von Comanien und Oircaſſien, wie auch
von etlichen ſichern Voͤlckern/man Kalmouchs nennet.
e Omanien erſtrecket ſich gegen Auf-gang/ biß ans Caſpiſche Meer/ gegen
a Niedergang wirds durchs Gebürgeunderſcheiden; von Circallen gegen Norden/ſtoßt es an Moſeau/ und hat Ceorgien gegenMittag; von den Bergen an/ ſo es begraͤntzen
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Waſſer/ weilen es imtnerdar trüb iſt/ und ſo
laugſom fleußt/ daß man kaum mercken kan
ob der Strom dieſenoder jenen Weg abfieſ-ſe. Und aiſo ergeußt er ſich allgemach in das
Caſpiſche Meer gegen Mittag des Munds
oder Außlauſfs der Volga. Es iſt nicht weitvon dieſem Fluß/ wo langs dieſem Meer nach
an beyden Seiten in den Ockober⸗ und No-
vember⸗Monaten/ eine groſſe Menge Fiſchehervor lauffen/ welche biß auf vier Fuß langſeyn. Fornenher haben ſie 2. Fuſſe/ ſo den Han-den gleich/ hindenher aber haben ſie an ſtaktder Fuüſſe vier Klauen. Dieſe Art Fiche habengar kein Fleiſch/ es iſt lauter Fett mit einemeinigen Gradt in der Mitten. Und weilenſie auf der Erden nicht ſchnell lauffen konnen/ ſoſchlagen die Bauren ſie mit Bengeln tod/ undmachen Oel darauß/ welches eins von den be-ſten Einkommen dieſes Lands iſt. 1ie Voͤlcker in Comanien Comouchs
genannt/ wohnen meiſten Theils unden an Einwohner.
den Bergen/ von wegen der ſchoͤnen Quel-len/ welche in ſo groſſer Menge auß denſel-ben entſpringen/ daß etliche Doͤrffer derendreiſsig biß viertzig haben. Sie leiten dreyoder vier derſelben zuſamen/ und machen einCanal darauß/ ihre Muͤlen zu treiben. DieBequemlichkeit dieſer Waſſern aber/ iſt nichtallein die Urſach/ warum ſie ſich alſo an denBergen aufhalten/ geſtalten ſelbige ihnenauch quf der Ebne nicht ermanglen/ ſondernweilen dieſe Volcker meiſtentheils vom Dieb-ſtal/ ſo ſie theils anjhren Feinden/ theils underjhnen ſelbſten begehen/ leben/ ſtehen ſie inſtater Forcht/ man mochte ſie überfallen/ ſobald ſie aber das Geringſte davon vermer-cken/ fliehen ſie in das Geburge mit ſamt demVieh. Wie dann alle die benachbarteVolcker/ von welchen ſie gleichſam umgeben
ſeynd/ als die von Georgien; von Mengre-
lien, 5 Circaſsien, Tartarien und Moſco-
viter
on dem Diebſtal ſich erhalten/ und
jhre Lander under einander durchlaufen/ ind
Mn,, 1Es hat noch andere Volcker/ welcheman Kalmouchs nennet/ welche an der Sei-
der gegen Abend biß an Tercki,(welchesein Fluß te des Caſpiſchen Meers zwiſchen den Mo-n fe 8 72 75 ſcowitern und Groß⸗Tartaren wohnen/ ſel-
de kamen ift/ ſo Comanien von Moſcau underſcheldet⸗ n/ ſel x,nad hat es eine ſchoͤne Ebne/ ſehr bequem zum Acker⸗ bige ſeynd ſtarcke Leute/ aber auch die heß⸗ Hgſhſchebau/ und in welcher es an ſchonen Wieſen nicht lichte und ungeſtalteſte under der Sonnen. esa derermangelt. Jedennoch iſt dieſe Ebne nicht gar Ihr Angeſicht ift ſo plat und breit/ daß das Lelouch.
eine Aug 5. oder 6. Finger breit von dem an-
volckreich/ und dahero geſehichts/ daß man ei-
nen Acker nimmermehr 2. Jahr nach einander
beſaet. Es iſt bey nahe eben eine ſolche Art Lan-des/ wie man zwiſchen Paris und Lyon findet/
es regnet da von Seit zu Zeit/ und dennoch
durchgraben die Bauren die Fluſſe/ um dasWaſſer durch Canale auf jhre Aecker zu lei-
ken/ welches ſie ohnlaͤngſt von den Perſianern
erlehrnet. Dieſe luſſe fallen von den Bergengegen Mittag/ und ſeynd in den Landkarten nitzeichnet. Under anderm findet ſich einer/ wel-
dern entfernet iſt. Ihre Augen ſeynd unge-wohnlich klein/ das wenige/ ſo ſie von derNaſe haben/ iſt ſo plat/ daß man da nichtsals zwey kleine Oeffnungen ſtehet an ſtatt derNaſenlocher. Ihre Knie ſeynd auſfenwartsgebogen/ die Fuͤſſe aber einwarts gegen ein-
ander; mik einem Wort/ man kan ſich nichtsſo ungeſtalt einbilden. Im übrigen aber
ſeynd ſie gute Soldaten/ und weichen in die-ſein Stuck keinen andern Volckern dieſer Ge-
gend. Wann ſie zu Kriege gehen/ nehmenſie jhre Weiber/ und die Tochter ſo über;zwoͤlf Jahr erꝛeichet/ mit ſich/ wie. ſel-
i ige
cher ſehr groß iſt/ und welchen man nicht durch-watten kan in welcher Jahrzeit es auch ſeynöge. Man nennet yyn Coyaldu, das it/ dick