Buch 
Beschreibung der sechs Reisen, welche Johan Baptista Tavernier ... in Türckey, Persien und Indien innerhalb viertzig Jahren durch alle Wege die man nach diesen Länderen nehmen kan verrichtet : worinnen unterschiedliche Anmerckungen von der Beschaffenheit der Religion, Regierung, Gebräuchen und Handlungen jeglichen Landes enthalten samt den Figuren, Gewichten und dem Mass der Müntzen, welche in diesen Länderen gangbar sind ...
Entstehung
Seite
162
JPEG-Download
 

05 wer-

ſelbe mit Brunnenwaſſer begoſſen/ und ſol-ches durch Hulff eines Nads, ſo ein Ochsherum treibe. Durch dieſe Befindung kanman ſo viel Waſſer als man verlanget/ da-rein lauffen laſſen; das flieſſende Waſſeraber iſt viel beſſer/ weil es nicht ſo kalt/ unddas Erdreich fetker machet. Dahero komtes/ daß die Früchte ſo von dem Geburg kom-men/ wo das Exdreich nicht anderſt als voinRegen und ſtarcken Thau fee wird/ vielwolgeſchmackter ſind/ und ſich viel langer hal-ten/ als die auf dem flachen Land. a

Der Berge gibt es in Perſien eine groſſeMenge/ ſind aber meiſtentheils ſehr trocken/

und unfruchtbar/ daß man nichts darauf ſaen

kan: Man findet in gleichem in gantz Per-ſten kein Holtz/ und nmiſſen um einer friſchenBrunnquellen willen/ die Reiſenden manch-mals einen weiten Umweg nehmen/ ja es ſeyndetliche Oerter/ da man zehen oder zwolff Mei-len reiſet/ und kein anders Waſſer antrifft/ als

was man in Schlauchen mik ſich führet.

Die Berge ſeynd alle ſehr hoch und rauh/und an den Granzen dieſes Konigreichs die-hen ſie an ſtatt der Bollwercke und Paſteven.Auß vielen gräbt man das Saltz/ wie dieSteine auß den Steinbrüchen/ und bekomtman vor den Werth eines Stubers ein vier-eckigtes Stuck andenhalb Schuh groß. Manfinder auch flaches Feld darauf de! Sand lau-ter Saltz iſt; es hat aber nicht ſolche Krafftals das in Franckreich/ ſondern man muß dieeen wolgeſchmackt zu Saltzen/ noch ſo vielJJDie Ertz⸗Gruben ſeynd erſt vor kurtzer

Zeit in dieſen Bergen entdecket worden/ ha-ben aber faſt alle Kupfer⸗Adern/ darguß ma-chen die Perſianer von noch zimlicher ArbeitSchuüͤſſeln/ Teller/ Becken/ Keſſel/ und aller-hand Haußraht/ dieweil ſie kein ander Zinnhaben/ als was ihnen auſſer dem Land zuge-führet wird/ welches ſie jhre kupferne Geſchir-zu überzinnen/ gebrauchen/ wie ſie oͤſters zuthun pflegen. Die Kupfer⸗Schmiede haltendas Kupfer ſo auß denen Landern die gegenWeſten ligen/ gebracht wird/ hoͤher als dasſhrige/ ja hoͤher als das/ ſo von Pegu komt/aber das auß Japon, ziehen ſie als das beſte/allen anderen vor. Das Bley komt auß derProvintz Kerman; und das Eiſen undStahl in groſſer Menge auß Casbin und Co-raſan: aber daſſelbige Eiſen komt bey weitemnicht bey jenes auß Moruan, noch bey dasSpanische. Der Stahl iſt ſehr fein/ und ſokart/ daß er ohne einige Kunſt/ durch dasWaſſer eine ungemeine Hartung bekommet/ſonſtei aber zerſpringt er wie Glas/ daherkomt es daß keine Federn oder einige zierl icheArbeit darauß zu machen iſt/ weil man ihmkeine gute Hartung geben kan. Dieſe ArtStahl läßt ſich auch micht an das Eiſenſchweiſſen/ und wann wan ihm im ſchmſdenein wenig zu groſſe Hitze gibt/ wird er wie ver-brante Erde bder Stein⸗Kohlen. Den Stahlden wir Damas nennen/ bringt man auß In-

Reisbeſchreibung in Perſien/

dien/ und heiſſet auf Perſiſch Sau herdar. Ss

finden ſich auch noch in Perſten Gold⸗ und.

Silber⸗Adern/ darauß man abnehmen kan/daß man vor Alters darinnen gearbeitet.Der groſſe Cha: Abas wolte weiter nachgra-ben laſſen(als er aber geſehen daß die Un-koͤſten groſſer als der Gervinn/ der davon zuhoffen/ hat er davon abgelaſſen. Vor we-

nig Jahren hat man wieder daran anfangen

wollen zu arbeitn/ es war aber Verluſt dabey;dahero iſt das Sprichwort entſtanden/ wel-ches in Perſien gebräuchlich/ wann man voneiner Arbeit dabey kein Nutzen iſt/ ſagen wil:Nokré Kerven dehkrarge noh-halflel, iſt ſoviel zu ſagen/ als: Das Gelt von demBergwerck zu ketven; da man zehenmuß Unkoſten machen/ wann man nem

wil herauß graben. Alſo konnt ales Gold

und Silber/ ſo ſie in Perſten haben/ außfremden Landern/ und ab ſonderlich auf Cu-lopa/ wie ich in dem Capitel von der Muntzſolches angemercket. Von der RegierungCha- Abas des IL. an bis auf Cha- Abas den II.ſahe man in Perſten mehr Gelt als jetzund/und brachten bie Armeniſche Kaußſeute ſol-ches auß Europa/ darauß man hernach Land-Muntz muͤnzte. Aber ſeithers etlichen Jah-ren bringen ſie nichts als Du caten oder Ze-quins; welche Sorten man am beſten mit

ſich führen kan. Ja ſie haben dieſen Fund

er dacht/ und verbergen ſolche in ſhre Kleider

und Camiſole/ damit ſie jhnen wiht geſtolen

worden/ wie oftmals bey den Caravanen ge-ſchiehet wann ſie dureh Türcley reiſen/ und

damit erſparen ſie auch den Zoll an denen Or-ten/ wo man eben ſo genau nicht dureh ſuchet/was die Kaufleute bey ſich fuhren. 7 75

Von den Perſtaniſchen Blumen und

Fruͤchten/ wie auch von den Tuͤrckiſen

und Perlen.

Je Blumen in e eden unſerigen in Europa/ ſo wol we-gen der underſchiedlichen Arten/ alsdes euſſerlichen prächtigen Anſchquens/ nichtdie geringſte Vergleichung; dann ſo bald manüber den Tyger⸗Fluß komt nach Per ien zu/trifft man nichts als Roſen/ Lilien und einigekleine Feld⸗Blumen an.

Was die Roſen anlanget/ findet

eine groſſe Menge/ ingleichem von den Naphta-Bliſigen davon das Waſſer hernach durchgantz Aſien in die Orientaliſchen Lander ver-führet wirdz. i.

Ich bin niemals von dem Perſiſchen Hofweggeſeiſet daß mich nicht etliche groſſe Her-

ren/ abſonderlich aber vier oder funff von denvornehmſten weiſſen Verſchnittenen/ deren

eder vor ſeinein Gemach einen kleinen Garten

hat

deren viel/ und diſtillieren die Perſianer davon Per

ten 1

fen.