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Beschreibung der sechs Reisen, welche Johan Baptista Tavernier ... in Türckey, Persien und Indien innerhalb viertzig Jahren durch alle Wege die man nach diesen Länderen nehmen kan verrichtet : worinnen unterschiedliche Anmerckungen von der Beschaffenheit der Religion, Regierung, Gebräuchen und Handlungen jeglichen Landes enthalten samt den Figuren, Gewichten und dem Mass der Müntzen, welche in diesen Länderen gangbar sind ...
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Viertes Buch 171

Wafſſers/ und muͤſſen ſie alſo beladen fort-Hufen. Die Urſach aber/ warum ſie alſo mitihnen verfahren/ iſt 1 5 Wann man ſie indas Land verſchicket/ ſo bleiben ſie nicht aufdem Weg/ den die Caravane gehet/ ſonderngehen gerad zu/ und durch wuſte Einoden/ woſie kein Waſſer finden/ müſſen ſich derowe-gen daran gewehnen/ jhre Lebens Mittel mit-zutragen. Der König und andere groſſe Her-

ken haben keinen von dieſen hate rn, der nicht

Meiſter worden/ dieſes aber geſchicht nicht oh-ne ſonderbahre Ceremonien/ und muß er ei-nen Lauff thun/ der vor ein Meiſterſtuck ei-

nes Chaters gehalten wird. Iſt der Heeꝛdes jenigen Ohaters, ſo Meiſter werden will

ein groſſer Herr/ ſo bittet er alle ſeine gutenFreunde dazu/ und laßt auf dem Meydan

eine Bühne oder Geruſt aufſchlagen/ alltvoeine Collation zugerichtet/ und dahin die Hu-

ren kommen/ und die Geſellſchaft erluſtigen.

Es iſt keiner von den Gaſten/ der nicht etwasmit ſich bringe/ und ſolches nach vollendetemQauff dem Charer verehre/ einer eine Kappe/der ander einen Gürtel/ und von dieſen Ge-ſchencken/ ſo er bekomt/ theilet er den andern

Chatern mit. Ex komt auf den Platz mit

bloſen Ober- Schenckeln/ und die Beinemit einem gewiſſem Fett wol gerieben/ hat d

nichts um den Leib/ als einfache kleine Schlaff-Hoſen/ und einen Gürtel mit drey Schal-len/ die jhm wider den Bauch ſchlagen. Mit

dieſer Außruͤſtung laufft er von Ali. Capi, da-

von ich in der Beſchreibung des Meydans

ſagen will/ weg/ und von der Sonnen Auf-gang an/ biß zum Nidergang laufft er zwolfmal biß zueinem Stein/ der nach dem Ge⸗ ſt

bhuͤrg zu anderthalb Meil von der Stadt ligt/und laufft alſo in dieſer kurtzen Zeit/ ſechs

And dreiſsig gemeiner Frantzoſiſcher Meilen/

welches weiter iſt/ als von Paris nach Or-leans. Underdeſſen/ weil der Chater laufft/iſt Kourouk guf dem Meydan, und auf dem

gantzen Weg/ dadurch er komt/ und drey o-

der vierhundert Reuter reiten beſtaͤndig hinund her/ um zu ſehen/ ob kein Betrug in desChaters lauffen/ mit drunder gehe/ und ſooft er wieder zuruck/ nahe bey Iſpahan komt/keiten ſie vor auß/ und berichten/ daß er zu-ruck komme. Sy oft er ablauffet und wie-der komt/ gehen die Trompeten und Paucken/

und bey dem Stein/ welcher an dem End iſt/

ſo weit er lauffen muß/ ſeynd etliche/ welchePfeil haben/ davon ſie bey jedem Lauff/ demChater einen geben/ welchen er nach Ali-

Capi bringt. So oft er zuruck komt/ trock-

nen ihn die Huren ab/ und liebkoſen hm;Aber in dieſem lauffen iſſet er nichts/ weil esihn am lauffen hinderen wurde/ doch trincketer underweilen von den Forbet. Wanner ſeine Lauffe wol verꝛichtet hat/ welche man

an den zwolf Pfeilen/ die er zuruck gebracht/

zehlen kan/ würd er nach gut befinden dervornehmſten under des Koͤnigs Lackeyen/ wel-

che def übrigen allen zu befehlen haben/ und

Die er darum l bittli Fe- 55 ü ittlich erſüche in die e e ber in dn

Meiſterſehaft aufgenommen. Die Fans o-der Statthalter in den groſſen Provintzenlaſſen jhre Chatern an jhren Neſidentz⸗Ot-ten/ und mit gleichen Ceremonſen lauffen/ wer-den auch von ſederman beſchencket/ wie zitIpahan/ welches bißrdeiſen auf eine groſſeSumma hinauß lauft/ die ſie hernach/ wie1 geſagt/ nut ihren Gesellenſonderlich denckwurdiges. Ai ber Seiten da dengegen Mittag ſtoͤſſet ſie an die Stadt⸗Mau⸗ 78. Iſpabau-ren/ und iſt zweymal ſo lang als breit/ ohneeinige Wehr/ guſſer etlichen ſchlechten run-den Thurnen alle auß Erden/ wie das gantzeWerck ſelbſt iſt. Darinnen verwahret derKönig alle die Raritaten/ die er gekaufft/ o-der welche jhm von den Stadthaltern derProvintzen und andern Frembden ſeynd ver-ehret worden. Dann was ſeinen Schatz an-belanget/ glaube ich/ daß derſelbige vornehm-lich in güldenen Gefaͤſſen beſtehe/ welche indem Königlichen Pallaſt/ zu ſeinem Gebrauchaufbehalten werden. Vor der Veſtung iſt

ein groſſes Feld/ welches gebauet/ und mit

Reiß und anderer Früchte beſamet wirddas Capueiner Kloſter ligt auch nicht weitdavon 3

Gant Iſpahan ins geſaint/ außgenomen/ Unerbenli-den groſſen Meydan, und etliche Bazars, ſo ge⸗ che Gedau-woͤlbte Gaſſen 19 darimmen die Kauſteu⸗ de daselbstte wohnen/ ſtehet vielmehr einem groſſenDorff/ als einer Stadt gleich. Die Hau-ſer ſeynd nicht an einander/ und die Gartendaran ſehr ſchlecht gebauet/ ja in den mei-en iſt nur ein untuͤchtiger Baum. Anſtatt daß die Gaſſen ſollen ſehnur gerad ſeyn/wie ich geſagt/ gehen ſie Sehlangen⸗Weiſe/und immer ein Hauß vor dem anderen her-vor/ welches uber die maſſen unannehmlichanzuſchauen. Es iſt zwar nicht ohn/ daßman bey etlichen Jahren hex anfangt beſſerzu bauen/ aber nur allein auſſer der Stadt;dann welche Mittel haben zu bauen/ habenauch ſo viel/ daß ſie Pferd halten konnen D/nach der Stadt zu reiten. Was die Wei-ber anlanget/ iſt es hnen gleich/ ob ſte in 55 55der Stadt oder drauſſen ſeynd/ weil ſie dochgar ſelten auß dem Hauß kommen/ und me-

Den dale p dan oder groſſen Platz in Iſpg⸗ Der epa

han hat der Groſſe Cha- Abas baulen laſſen/ oder Muckwelches nicht geſchehen ware/ wann ein Printz/ an in J.ſo noch von den alten Königen in Perſten her⸗ ſeaban.ſtammete/ jhme den alten Meydan, ſamt demHauß darzu, und underſchiedlichen Geroch-tigkeiten die davon dependieren, hakte abtret-ten wollen. Weil er ihm aber ſolches ver-weigerte nahme ſich Cha- Abes vor/ erenneuen Platz anzurichten/ und die Kaufente dahm zu ziehen dadurch dieſes PringenHauß gantz in Abgang gekommen, weildie meiſten von da weggezogen/ und we-

nig mehr in dieſer Gegend der Seadt woh-

en. Unweit von dieſem alten NMeyclan,FFF ĩ