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Beschreibung der sechs Reisen, welche Johan Baptista Tavernier ... in Türckey, Persien und Indien innerhalb viertzig Jahren durch alle Wege die man nach diesen Länderen nehmen kan verrichtet : worinnen unterschiedliche Anmerckungen von der Beschaffenheit der Religion, Regierung, Gebräuchen und Handlungen jeglichen Landes enthalten samt den Figuren, Gewichten und dem Mass der Müntzen, welche in diesen Länderen gangbar sind ...
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280
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Ihre Epej-ſen.

und Wild-praͤdt.

Jure Oeſen.

1 Garkü-

n.

280dahero ſir alles doppelt bezahlen müſſen. Esſeynd aber nur die Mahometaner/ die auf ſol-che Wiiſe Hauß halten; dann die Armenier

leben ſehr ſparſam/ und machen ſich von ch

allem einen Vorrath/ und wann ſie einmalzur Nochdurft eingekauffet haben/ ziehen ſieden Beutel nicht lezyt wieder.Der Perßßaner gewohnliche Speiſen ſind/Hammel/ junge Geiſſen/ Huner/ und jungeTauben/ dann Rind⸗Hleiſch eſſen ſie ſelten.So habe ich auch droben die Urſach geſagt/warum kein Mahometaner vom Haſen eſſenwill. Der Koͤnig und die groſſen Herren/ſo die Jagd lieben/ eſſen gar wenig davon/ undwann ſie ein wildes Schwein gefangen/ vereh-ren ſie bisweilen ſolches etlichen Chriſten/ in

der Hofnung vor die Ehre ſo ſie jhnen anthun/

wiederum eine Gegen⸗Verehrung zu bekom-men. Die Armenier haben zwar auß Eu-ropa mitgebracht/ wie die Capaunen fett zu-machen/ und die Welſchen Huner aufzuziehen/ſie kommen aber nur auf des Koͤnigs Tafel/ undhaben ſie mit dieſer Handthierung nicht vielgewonnen/ wie ich an dieſem Ort/ wo ich vonden Einwohnern der Stadt Zulpha gehan-delt/ angemercket habe. Sie wiſſen in Per-ſien nicht wie in Franckreich die Speiſen aufmancherley Arten zu zurichten/ und wird bey

jhren Gaſtereyen nichts ſo ein Appetit machen

konte/ aufgeſetzet/ ſondern jhre Speiſen ſindmehr vor die ſo den Hunger ſtillen wollen/ alsdie ſo einen niedlichen Geſchmack lieben. Wañman das Hammel⸗Fleiſch und die Lammer inPerfien auf nuſere Art zu braten wuſte/ warenſie ſehr gut; aber die Perſianer braten nur imOfen/ und dazu ſeynd jhre Oefen gantz anderſt/als die unſerige. Sie ſeynd in die Erden ge-graben/ und ohngefahr dritthalb Schuh breit/und fun foder ſeche hoch. Auß Mangel desHolte werden ſie mit Geſtrauch gehitzet/oder einer Art Torff von gekneteter Erden/ mitVich⸗Miſt vermiſchet/ welche ſie Stuͤckweisan bie Wand lehnen/ doͤrren darnach auf ei-nen Hauffen legen/ und nach NothdurfftFeur damit machen. Sie braten einen gan-tzen Hammel auf einmal/ welchen ſie in demOffen aufhaͤngen/ und ein groſſes Becken mitReiß darunder ſetzen/ ſo von des Hammels-

Fett gekoche: wird. Ein einiger Sehwantz

von dieſen Hammeln wieget bisweilen zehenoder zwoff Pfund/ und gibt fünff oder ſechsPfund Hett; iſt auch nach unſern Haͤmmel-Schwantzen zu rechnen/ gantz verkehrter Art/unden breit/ und oben ſchmahl. Es gibt zuIſpahan einen hauffen Garkoͤche/ und ſiehetman in jhren Garkuchen viel gebrattene Haͤm-mel hangen/ davon ſich ein jeder ſo etwas kauf-

fen will/ ſchneiden laßt/ was er will. Aneinem anderen Ort iſt gekochtes Fleiſch zu-

verkaufen/ an einem anderen Reiß; aber miteinem Wort zu ſagen/ in den PerſiſchenKuchen findet man keine Lecker⸗Bißlein oderelwas ſ denen die gern niedlich eſſen/ einenAppetit machen konte. Sie machen auchnach jhrer Art noch ziemliche Confituren/

Keisbeſthreibung in Perſien/

wiſchen.

nach der unſerigen aber iſt nicht viel beſon-ders daran/ und eingemachte Fruchte mil Eſ-ſig 0 155 von jhren beſten/ ſo Appetit ma-

en ſoll. i

Ihr Brod iſt gut/ und ſehr weiß/ und Iyr Bicweil ſie genug Getreyd im Land haben/haben ſie nicht nothig von anderen Ortenetwas bringen zu laſſen. Es wird alle Taggebacken/ und machen ſie jhr Brod wieKuchen/ gantz dunn/ und mit Koͤrnernvon Siſamo uberſtrauet. An etlichen Or-ten wird es in Oefen gebacken/ davon derBoden von kleinen runden Kiſſelſteinen iſt/

die ſich leichtlicht hitzen laſſen/ und die c 5

tze lang halten. Aber zu Iſpahan ma het und

man in ein ſehr groß Irden Gefaß einem beit i

groſſen Hafen gleich/ unden auf dem Grund x

Feur/ und wann er recht heiß iſt/ kleibet

man den Teig an die Seiten des Gefaſſes/

daran es ſehr wol gebacken/ weil es uber

ein Finger nicht dick iſt. Die Armenier

machen eine andere Art Brod/ ſo dunn als

ein Karten⸗Blat/ und ohngefahr im Um-

kreis anderhalb Schuhe breit/ ſolches backen

ſie auf einer Eiſernen Blatten/ ſo gar ein ge-

ringes zu hitzen koſtet. 05 33Die Geſchirꝛ ſo die Perſtaner gebrau⸗ Ito,

chen/ ſeynd von rothem Kupffer/ und bis-

weilen uͤberzinnet. Dann ſie brauchen nichts

von Silber/ weil Mahomet ſolches in ſkti e,

nem Geſatz/ wie ich ſchen er wehnet/ ver

botten; und laßt ſich der Konig auß nichts

anders als Gold bedienen/ davon er einen

groſſen Vorrath hat. Sonſten gebrauchen

ſie auch vil von dem Irdenen Geſchirꝛ/ ufPorcelan Art/ ſo in dem Land/ abſonderlich

aber zu Kerman und Chamaqui gemacht

wird. Zu Suppen/ Bruhe/ oder derglei-

chen zu eſſen/ brauchen ſie holtzerne Loffel/ der

Reiß aber wird ſo dick gekochet/ daß ſte jhn mit

Handen eſſen konnen/ wie ſie dann mit anderen a

Speiſen dergleichen thun/ und die Hand ag

ſtatt der Serviete nur an jhr Sch nuptuch abkAn dem Taback haben ſich die Perſianer geh

dergeſtalt gewehner/ daß e 1 e

laſſen koͤnnen. Das erſte ſo ins gemein auf

den Tiſch komt iſt Pfeifen Tahack/ und ca.

e, und machen ſie damit den Anfang/ wann ch

ſie recht luſtig ſeyn wollen. Sie trincken nn f

auf eine beſondere Weiſe/ nemlich in einer

glaſſernen Flaſchen/ mit einem Halß breh

Hachen dick/ worein ein hoͤltzerne oder ſilbern

Nohre gehet. Der Halß von der Flaſchen

an welcher außwendig eine Blatten iſt/ wir

gefüllet/ und der feuchte Taback ſamt einer

Kohlen darauf geleget. Under dieſer Plat-

ten iſt ein Loch/ worein ein langes Rohr ge-

ſtecket; wann man dann den Athem an fi

ziehet, ſo gehet der Tabacks Rauch et Gewalt durch die Rohren under ſich/ u 15

das Waſſer/ dem ſie allerhand Farben ge-ben/ und davon die Flaſche nur halb voll ma-chen. Wann der Rauch in das Waſſer komtſteiget er wieder in die Hohe/ und komt 17 15