298
winnen/ und nach zwey oder drey Jahren ei-nen neuen Stamm und neue Zweig herfuͤr-
bringe/ die eben alſo wie die erſten/ dieſenBaum in unglaͤublicher Weite fortpflan-tzen.
Nachdem die Portugieſen ſich Meiſter
von Ormus gemacht/ fiengen ſie an auß eineruͤbelgebaueten/ eine überauß ſchoͤne und praͤch-tige Stadt zu bauen/ dann dieſe Nation denPracht ſehr liebet. Die Eyſen an den Thů-ren und Fenſtern waren alle uͤberguldet/ und
ſagt man dieſes durchgehends im Land/ daß
wann die Portugieſen waren Herren von Or-mus geblieben/ man jetzo an den Thüren undFenſtern/ an ſtatt des Eyſens/ lauter Goldund Silber ſehen würde. Weil ſie nun alleReich waren/ ſo ſtreitten ſie mit einander/war es einer dem anderen in Erbauung praͤch-tiger Hauſer/ und Verfertigung ziehrlicher
Badwannen wurde zuvor thun/ in welche
letſtere ſie den gantzen Tag durch im Waſſer/nebſt jhren Weibern und Kindern lagen/ außUrſach/ der ubergroſſen Hitz/ die ſie ſehr pla-hete/ und weßwegen auch wenig under jhnenalt wurden. Die Veſtung war auch damalsſehr ſchoͤn/ und überauß wol underhalten; ſiehatten auch auf einer Hohe in der Inſul eineKirche der heyligen Jungfrauen gewidmet/ er-bauet; worinnen ſie jhren Gotts⸗Dienſt ver-richteten/ und ſich auch zugleich derer/ als ei-
nes Spatziergangs bedienten/ weil ſte ſonſt kei⸗ ſtnen anderen auſſer dieſem hatten. Was die Ve-
ſtung anbelangt/ ſo iſt ſie noch bis anhero inziemlichem Zuſtand/ und nachdem die Konigvon Perſien ſich derſelben bemeiſtert/ under-halten ſie allda eine Beſatzung/ und ſetzet derKan von Ormus, welcher zu Bander Hof halt/allda einen Commendanten nach ſeinein Ge-fallen. Die Stadt aber iſt gantz und garverwuͤſtet/ und haben die Hollander die beſtenStein/ und die ſchoͤnſten Marmor von Or.mus, under dem Schein/ für ihre Schiffeſo ledig zurück giengen/ Pallaſt einzunehmen/nach Batavia entführet/ und jhre Haͤuſer da-von gebauet/ und außgezieret. Sie hattenderer noch mehr auf dieſe Weiſe weggebracht/
wann der Kan zu Ormus ſich endlich nicht dar-
wider geſetzet/ und es jhnen verbotten hatte.Hergegen iſt jhnen vergoͤnnet/ ſo viel Saltzzu laden/ als ihnen beliebet: Dieſes Saltziſtſchoͤn und weiß/ wie ich ſchon gemeldet/ und
würtzet ziemlich gut: Sie verführen es bis
in Japon, und packen es in eben die Kiſten/wor ein ſie die Naͤgelein gehabt haben. Dannes iſt zu mercken/ daß wegen der uͤberauß groſ-en 80 des Lands/ man gezwungen iſt/ ſo bald
je Schiffe zu Ormus angekommen/ die Na-gelein in Sacke zu ſchütten. Ein jedwederSack halt 200. Pfund/ und leget man ſielangs an das Meer/ damit ſelbiges die Naͤge-lein befeuchte. Wann ſie etliche Tag an demUfer gelegen/ tragt man ſie in die Pack⸗Hau-
ſer/und bogieſſer ſie ale Tage mit Meer⸗Waf⸗ Hſer/ biß man ſie auf Iſpahan oder andere Oer-ter in Perſien ſchicket; wann man nicht dieſes
Reisbeſchreibung in Perſien/
Handel ſehr geſchwachet/ gehen dienicht mehr ſo gut für die Kaufeute. Ich habe c
thäte/ würden alle Nagelein/ wegen der groſ-ſen Trockne zu lauter Staub werden.
Zwiſchen der Inſul Ormus, und dem ve⸗ 0ſten Lande/ it das Meer nicht ſonderlich tieff/ gernedahero die groſſen Schiffe/ die in den Meer⸗ de lBuſen hinein oder herauß gehen/ die andere ormSeile der Inſul nehmen. Die Veſtung/ wel-che auf der Spitze der Inſul gegen Abend aufgefüͤhret iſt/ iſt gantz mit dem Meer umgeben/und hat Perſien fur ſich. Eines Tages/ wieich mit dem Hr. de PEtoile, langſt dem Ge-ſtade bey Bander gegen Aufgang der Sonnenzu ſpatzieren gieng/ erſahen wir in dem Meerzwiſchen der Inſul und dem veſten Lande/ ichweiß nicht was/ welches ſich in dem Waſſererhebete/ und konten wir anfaͤnglich wegen derWeite nicht erkennen/ was es war. Wie wiraber recht zuſahen/ erkanten wir endlich/ daßes ein Menſch war/ welcher ſchiene ſich fur unszu foͤrchten/ und deßwegen ſich unſer nicht na-hern wolte. Bald ſchwam er/ bald ſtund erauf den Fuſſen/ weil das Meer/ wie ich gemel-det/ alda ſehr niedrig. Wir gaben jhm Zeichen/daß er herüber kommen ſolte/ mit Bezeugung/ſo gut/ als wir es jhm von ferne zu verſtehengeben konten/ daß er ſich von uns nichts boſeszu befoͤrchten hatte. Wie er an uns kommenwar/ verſtunden wir/ daß es ein Engellaͤnderwar/ welchen der Konig in Perſten von derCompagnie begehret hatte/ um jhm in der Ve-ung Ormus zu dienen/ und weil jhme dieGefangnuß verdrießlich fiel/ zumalen die jenk-
gen/ die alda hingeſchickt werden/ gar ſelten
wieder herauß kommen/ ſo hat er ſich gewa-get/ 2. Meilen durchs Meer zu ſchwimmen/um ſich in Freyheit zu ſetzen. Weil er nun
nichts als ein geringes Leinwad um den Leib
hatte/ ſo giengen wir wiederum zuruck nachBander, von da wir ihn mit Eſſen und Klei-
dern verſahen/ und die Sachen dem Haupteder Engellandiſchen Compagnie zu wiſſenthaten: Worauf man den Flüchtigen gegenAbend nach Bander brachte/ und heimlich in 8höchſter Eile uf ein Schiff/ welches alda fun inAncker lage/ ſetzte. Ws
Gegen dieſer Veſtung von Ormus über Lauf dem veſten Lande gegen Perſten zu/ hatten
die Portugieſen eine andere Veſtung fünf hun-
derk Schritte von Bander gelegen/ alwo ſie
ihre gußgeruͤſtete Bareken/ deren ſte 2p. oder
30. halten/ hinlegeten/ weil ſonſten kein Ort in
der Inſul hierzu bequem war. Wann man ei-
niges Schiffes in dem Meer⸗Buſen gewahrward/ ſchoſſen die in der Veſtung von Ormus
ein Stuck Geſchutz los/ womit dieſen Bar;
cken das Zeichen gegeben ward/ von dieſenSchiffen den Zoll einzufordern; dann ſonſten
die Schiffe biß naher Ballara hatten gehenkonnen. Zu dieſer Zeit gewonnen die Kaufeu-
ke viel/ und man trauete in Angebung derWaguen ſhren Worten/ ohne die Schi,burchzuſuchen; ſezund aber da der Kauf, 8eSachen auf a g
noch under der Veſtung zu Bander von dieſen gere8 N Barcken 5