Buch 
Beschreibung der sechs Reisen, welche Johan Baptista Tavernier ... in Türckey, Persien und Indien innerhalb viertzig Jahren durch alle Wege die man nach diesen Länderen nehmen kan verrichtet : worinnen unterschiedliche Anmerckungen von der Beschaffenheit der Religion, Regierung, Gebräuchen und Handlungen jeglichen Landes enthalten samt den Figuren, Gewichten und dem Mass der Müntzen, welche in diesen Länderen gangbar sind ...
Entstehung
Seite
39
JPEG-Download
 

*

Ee Buß

ler in die Stadt/ mit den franden Kaufleutenzu handlen; und hernach kahren ſie wiederumanheim. In die ſer Vorſtadt ſeind zwo oderdrey ſchoͤne Vos que, die den frömden für Ca-ravanſeren dienen/ in der nahe werden vielPagades oder Tempel geſchen. Durch eben dieſeVorſlaͤdt gehet man auß der Stadt nach dezVeſtung Golconda. 3Über die Bruck kommend iſt eine groſſeGaſſe/ die zum Königlichen Pallaſt fuͤhret/auf der rechten Seiten ſeind etliche Hauſer derHofherren/ und 4. oder J. Catvanſeras zweyStockwerck hoch; mit groſſen Saͤlen unKamern/ da man ſich erkuͤhlen kan. Zu endedieſer Gaſſe iſt ein groſſer Platz/ jener ſeitsvon dem Pallaſt eingenommen/ und in mittenein Ercker/ dahin ber Konig bey ertheilenderVerhoͤr ſich ſetzet. Des Pallaſts groſſe Pfor-te gehet nicht auf dieſen Platz; ſondern aufein andern/ dieſem nahend/ durch welche ge-hend/ man alſobald in einen groſſen Hof mitSchoͤpffen umgeben/ darunder die KoniglicheWacht ſich aufhalt/ komt. Auß dieſem Hof ge-het man in einen andern/ auf gleiche Manier er-baut; und daherum viel ſchoͤne Gemacher mitTaͤcheren/ auf Som̃erlaube oder Altane Ma-nier gebaut; und darauf wie quch dem Theil des

9 5 ghuh viel Ziſch/ insonderheit einer Artmed Fisch Eperlen geneſtiet/ der ſchr

i gedllcheund Linen vat in Mitten hat. DieAakur hat mehr als die Kunſt in dieſen

5 0 Hiteinlich an erhoheten Olten/ da alleinge demchenen Land ein Daß vonnehen,Sides Waſſer knuhalten/ geholfen. DieſeDaltze ſeind biß weilen eine halbe Meil wegs15 aud wann die Regenwetters⸗ Zeit vor-erden von einer Zeit zur andern die75 chleuſſen erofnet/ dem Waſſer den Lauf auf

o Land zu laſſen/ welches ſich damn in under-hiedliche kleine Canal ſamlet/ um die Felder

db de e iſt der Name der Haubt Stadt9955 Königreichs; aber dieſelbe wird gewon-vo Sotconde gleich wiedie Beſtung die dar-Sind Coſtes weit entlagen/ und des KoͤnigsOiziſt genennet. Dieſe Veſtung hat beyawo Melken uinkreiß, und erfordert demnachOe ſtarcke Beſazung. Dieſelbe iſt wie jene5 ladt/ da dey Konig ſeinen Schatz hat; weil0 eine Wohnung zu Bagnagar; nachdemee gelle von dem Kriegsheer/ des Aureng-Gellu s wie hernach vermeldet werden ſolle/ be-Wat gubet worden verlaſſenHhagnagaꝛ iſt nun die Stadt/ die gemeinlichGolconda genennt wird; ſelbe war von demUranheren des jetzt regierenden Konigs/ aufanhalten eines ſeiner Weiber Nagar genennt/

ie ex einbruͤnſtigliche Liebte angefangen/ jhmewar es allein ein Luſt⸗Ort/ da del Konig ſchone

5 arten harte; Als aber ſein Weib demſelben

ſt vorgebracht/ daß der Plaß wegen des Fluß-S ſchon und bequem/ um ein Pallaſt und einA zu bauen/ hatte er endlich das Funda-

8 den laſſen/ ind wolte/ daß die Stadt ſei-

if Weibes Namen/ nemlich Bag. nagar, dasder Nsgar-Garten/ gegeben wurde. Dieſeden gor lig 1. Grad(wenge e. inuten inhend hee Das Land umher iſt eben/ und na-5 der Stadt ſeind viel Felſen/ wie bey kon-

8 eblead. ö 8

ane Ein groſſer Fluß netet die Stadt⸗Maurif Seiren Sud ⸗Weſt/ und ergeußt ſichen ch bey Maslipatan in den Bengaliſchen

0herngmunen. da Bagnagar iſt eine groſſe Stei-

. 10 Bruck/ nicht viel geringer als die neuefc e dens lber digen Fluß Die Stab

bautg 5 el; aber ohngepfaſtert; gleich wie auchvoll Skadte in Perſten und Indien ſeind-best Sande welches in Sommers⸗Jeit ſehrAchdurch Je die Brucke erreicht wird/ gehet maneine ole gel Vorſtadt/ Erengabadgeneñt/er und Aude s lang/ da alle Kauffeur Mack-de Wo beiter mid ins gemein der Po bel jh-ene weng haben; ſintemal die Stadt nurGen e erſoren Königlichen Beam-Voir 8 5 unnd Kriegs⸗Leuten bewohnet.UhrabendsVormittag biß vier oder fuͤnff

eee

t ngefahr in der groſſe rlenns wol ge-ga uud hall; mit vielen groſſen Gaſſen ge-

dummen die Kaufeut und Mack-

Pallaſt/ da die Elephanten ihren Platz haben/ſind ſchoͤne Garten/ und ſo groſſe Baume/daß ſich zu verwundern/ wie dieſe Gewolbereinen ſolchen ſchwaren Laſt tragen koͤnnen/ undkan mit Warheit geſagt werden/ daß dieſesein recht Koͤniglicher Pallaſt ſehe. öEs ſeind ohngefaͤhr 50. Jahr/ daß in derStadt ein praͤchtiger Bagode oder Tempel-Bau angefangen worden/ und der groͤſſeſte

in gantz Indien/ wann derſelbe vollführt wa-

re. Inſonderheit iſt ſich uber die Groͤſſe etlicherSteine zuverwundern; und der Stein/ desjenigen Orts oder Lochs/ da das Gebett ver-richtet werden ſolle/ iſt ein gantzer Felſen/ einerungewonlichen Groſfe/ daß fünff Jahr ſol-chen herauß zu ziehen/ zugebracht werden muſ-ſen/ und wurden beſtaͤndig zu dieſer Arbeitfünff⸗oder 600. Mann gebraucht. Und nochmehr erfordert denſelben auf die Ruͤſtung/ umnach dem Ort des Bagode geführt zu werden/zu waltzen/ und hat man mich verſichert/ daß1400. Ochſen vorgeſpannet worden/ denStein zu ziehen. Drunden ſolle angedeut wer-den/ warum dieſes Werck unvollkommen ge-blieben; wann daſſelbe vollfuhrt worden/ waͤ-re es ohnlaugbar das fuͤrtreflichſte Gebau in

gantz Aſten zu ſchaͤtzen geweſen.

Auf der andern Seiten der Stadt/ dader Weg nach Maslipatan 1155 ſeindzween groſſe Weyer, jeder ohngefahr eine Co-

te Umkreiß haltend/ darauf ekliche außge-

ziehrte/ in des Koͤnigs Luſt verordnete Schif-fe; und an dem Ufer viel ſchoͤne den vornehmendes Hofs zugehorige Hauſer zu ſehen g

Drey Coſtes Wegs von der Stadt iſteine ſehr ſchoͤne Molquse, allda die Graberder Königen von Golconda ſind/ und taglichum vier Uhr Nachmittag/ wid daſelbſten

f SR