Naehe. Wann die Menſchen in waͤhrendem jhrema Leben tugendhafte Thaten begangen haben/Wieſhne als Wallfahrten und Allmoſen/ halten ſieOurvor/ daß jhre Seelen nach dem Tod in einesMachtigen Rajas, oder anderer reichen Perſo-nen Leibe fahre/ und daß ſie der Wolluſtendes Lebens/ als eine Belohnung guter Wer-1 ſo ſie in anderen Leiberen verrichtet/ ge-Dieſes iſt die Urſache/ warum die Fakirs,von welchen ich in vorhergehendem Capitulgeredt habe/ ſo abſcheuliche Buſſe wurcken/ö und weil ſich nicht alle Menſchen/ ſo viel in die-ſer Welt zu leyden/ entſchlieſſen koͤnnen/ ſu-chen ſie bey, ihren Lebzeiten wit guten Wer-cken dieſe raue Buſen zu erſetzen/ und wasnoch mehr iſt/ beladen ſie jhre Erben durchIhren letzten Willen den Braminen Allmoſenzu geben/ damit die Viele der Gebatte/ ſoſie ihnen nachſagen laſſen/ Gott ihnen denLeib eines groſſen Herren beſtimme. In demJenner 1661. ſtarbe der Cheraf oder Wechs-ler der Hollandiſchen Geſellſchaft Mondas-Farek genannt/ zu Surate. Er ware ein rei-cher und gutthatiger Mann/ und hatte beyeinem Leben ſo wol den Chriſten als Heyden/Viel Allmoſen mitgetheilet. Die EhrwuͤrdigeVatter Capuciner von Surare lebten einenTheil des Jahrs von dem Reis/ Butter und
Mulſen⸗ Früchten/ ſo er jhnen ſchickte, Dieſer
Banjane ware nicht langer als vier oder fuͤnff
Tag kranck/ und ſo wol in wahrender Zeit/ als
acht oder zehen Tag lang nach ſeinem Tode/heilten ſeine Brüder bey neun oder zehen tau-end Koupies quß/ und lieſſen ſeinen Leib ver-brennen/ und miſchten under gemeines Holtzuch das von Sandel und Aloes, glaubende
daß durch dieſes Mittel/ wann die Seele ih-
nes Bruders in einen andern Leib eingehe/ Er
Nahe eu groſſer Herꝛ in einem andern Lande werde.50 u Es befndẽ ſichd darriſche gemig/ ſohre Scha-Wee bey Lebzeiten vergraben/ wie vaſt alle Rei-de in dem Königreich von Aſen thun/ damit/wann ſie nach jhrem Tod in den Leib eines ar-f en ellenden Bettlers eingehen/ ſie eine Zu-ucht zu jhrem vergrabenen Gelt haben kon-
1 8 um ſich auß der Noth zu reiſſen. Dieſes8 Urſach/ warum ſo viel Gold/ Silber undgeſteine in Indien vergraben ſeyn/ und es
N der ewol ein elender armſeliger Heyd ſeyn/Haren btetwas Glts in der Erden verborgenmite Ich erinnere mich daß ich eines LagsSdoadien um ſechs hundert Koupies eine0. Dale von Agatſtein eines halben Schuhsech und in der groſſe eines unserer ſilbernenerkoren gekaufft habe. Der ſo mir ſolcheer guffet/ verficherte inch/ daß ſie langer als0 Jahe in der Erden gewesen/ und daßbe diche aufpehalten/ und ſich deren nach ſei-ihn Tod auf gllen Fall zu bedienen/ es waredere Gleich, ob er Seit oder ſeine Schgalenkau aben hatte. Ttuf memer letſten Reisefei e lch von einem dieſer Heyden zwey und
0 40 Diamanten das Stuck ohngefehrWiang wem ſchwar/ und als ich jhme die Ber-ung bezeuget/ worinnen ich ware/ einen1. Theil.
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5 Drittes Buch.
groſſe Schaͤtze darinnen vergraben finden
Teichs/ und ſetzen jhnen die Fuſſe in das Wgſ-ſer. Nachdeme/ daß die Natur abnimet/ helffen
lich tauchen ſie ſolche biß an das Kinn under/
ſcheidet/ koͤnne eines und das andere von allen
ſich in des Verſtorbenen Hauſe/ und nachdeme
allwo er auf den Achslen deren/ ſo darzu be-
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ſo ſchoͤnen Theil zu ſehen; ſagte er mir/ ich ſoltemich nicht verwunderen/ angeſehen es nahebey fauſſg Jahren ware/ daß er ſolche zuſa-men ſamlete/ um ſich deren nach ſeinem Tode
zu bedienen; aber weil ſich ſeine Sachen ver-anderet/ und er Gelt vonnoͤhten habe/ hatteihne ſolches bewogen/ deren abzukommen.Dieſe vergrabene Schaͤtze/ waren eines Tags
dem Raja Seyva gi eine groſſe Hiilfe/ welcher
die Waffen wider den Groß: NMogol, und denKonig von Vilapour ergriffen. Als dieſerRaja Callian-Biondi, eine kleine Stadt desKönigreichs Viſapour, durch Rathgebung derBraminen, welche jhn verſicherten/ daß er.
wurde/ eingenommen/ ließ Er ſolche halb zer-ſchleiffen/ und fande in der That groſſe Reich-thummen/ mit welchen er ſein Kriegs⸗Heer/welches mehr als in dreiſsig tauſend Mannbeſtunde/ erhalten. Es iſt unmoglich dieſearme Heyden von jhrem Irꝛthum abzubrin-gen/ dieweil ſie keine Billichkeit anhoren/ unddie jhrige gantzlich jhren alten Gewonheitenunderwerffen/ under welchen die Fuͤrnehmſte
iſt/ die Leiber der Abgeſtorbenen zu verbrennen.
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Das VIII. Capitel.
Von der Gewonheit der Heydenber zu verbrennen..
S, e Gewonheit die Leiber zu verbren⸗ e
Dr ſſt ſehr gemein bey den Heyden/ nwelches ſie gemeiniglich an dem Ufer derben
des Fluſſes/ wo ſie die todten Leiber waſchenlnſ/
verrichten/ um jhre Reinigung von den Sun-
den/ von welchen ſie ſich in dieſer Welt nicht
bey jhremdeben geſaͤubert hatten/ zu vollenden.
Ihr Aberglauben gehet ſo weit/ daß ofterma-
len/ wann die Krancken am auſſerſten ſeynd/
tragen ſie ſolche an das Ufer eines Fluſſes oder
die Lei-
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ſie dem Leib auch under das Waſſer/ und end-
damit in dem Augenblick/ daß ſie die Seele5 0 und ſich ſolche von dem Leibe ab-leinen Unreinigkeiten purgieret werden/ wann geſie den gantzen Leib in den Fluß duncken/ nach Purgierunz.welchem man jhne an ſelbigem Ort verbren-net/ ſo allezeit einer Pagoden nahe iſt. Es gibtalldorten Leute/ ſo Sorge haben/ das Holtzzuſamen zu ſamlen/ und man weißt was ihnenvor jhre Mühe zu bezahlen iſt. Wann einHeyd geſtorben/ alle die von ſeiner Zunfft oderStammen/ ſo in dem Ort ſeyn/ verſamlen
er auf einen Karren/ welcher mit ſchoͤnem Lein⸗ eich erewad bedecket iſt/ nach dem Stand und Ver⸗ mond. 2moͤgen/ ſo er hinderlaſſen/ gelegt wooden/ be-gleiten ſie hn biz auf das Ort wo er ſoll ver-brennt werden/ der Srag⸗Baare nachfolgend/
O 4 ſtimmet