Buch 
Beschreibung der sechs Reisen, welche Johan Baptista Tavernier ... in Türckey, Persien und Indien innerhalb viertzig Jahren durch alle Wege die man nach diesen Länderen nehmen kan verrichtet : worinnen unterschiedliche Anmerckungen von der Beschaffenheit der Religion, Regierung, Gebräuchen und Handlungen jeglichen Landes enthalten samt den Figuren, Gewichten und dem Mass der Müntzen, welche in diesen Länderen gangbar sind ...
Entstehung
Seite
46
JPEG-Download
 

46

Unterſchtedli⸗ wolte/ liß mir Beber ſagen/ ich ſolte keineche Höfflegkeit eigne Taffel halten/ den die Compagnie ſey

g 2755 die vermoͤglich genug und wuͤrde nicht ſo bald8 empfinden/ daß eine Perſohn mehr oder weTaverniet Niger geſpeiſet wuͤrde derohalben bath er ichbewieſen. möchte mit ihme die Mahlzeit halten. Ich eu-

ſerte mich lange Zeit in ſein Begehren zuwilligen/ weil ich in dergleichen Begeben.heiten mich niemand zu verpflichten begehre/aber er hilte endlich ſo ſtarck bey mir an daßich genoͤtiget wurde ſeinem Verlangen eingenůgen zu thun. Aber diſes wolte nicht laͤn.ger als zweyen Tage angehen/ ſintemal weder

mein Maul mit dem ſeinigen/ noch mein

Magen mit ſeiner Kuchen einẽ vergleich ma-

chen konte. Ich war nicht gewohnt mit einem

Huhn daß in einem halben Eymer Butter-

ſchwam mich zu vergnügen/ viel weniger

mich mit einen Pilau welcher wegen der ſtin-

ckenden Butter dem Munde ſehr unannem-

lich war/ behelffen/ zu geſchweigen andere

ſchaͤndliche Kargheit die Beber auch in den

geringſten Sachen verſpuͤren ließ. Ich mach-

te mich derowegen mit manier davon/ und

zeugte ihm an daß unſere Mäuler im Eſſen

und Trincken gar ungleiches Sinnes weren.

Was aber den Boulaye anbelangt ſo batheBeſchrelbung derſelbe niemanden zu Gaſte den er konte ſichthrer Kuchen leicht einbilden daß er ſchwerlich jemandfinden wuͤrde der ſeines gleichen ſey/ ſeine

Kuͤchen war noch aͤrger als des Bebers ſein

gantzes Gerichte war ein Huhn/ daß man

in den Topff geſtoſſen welches er nach dem

es halb gekocht mit einem Maaß Brandte-

Wein/ Reiß und etwas Gewuͤrtze uͤber

ſchuͤttete/ damit begnuͤgte er ſich zwoMahlzeiten nemlich den Reiß des Mor-gens und das Huhn des Abends. Sein Ku-chen Bedinter war ein Sclab von 14. Jah-ren welchen er von einem Frantzoſen ClaudeMuꝛz in gekaufft der des Koͤnigs in PerſienBuͤchſenſchmid war/ aber derſelbe hatte indieſem Kauffe unverantwortlich gethan.Denn als er von Lion reiſte empfing er vonder Frauen Simonet Geld daß er einenkleinen Sclaven kauffen/ und verhuͤttenſolle/ daß er den Mahometanern nicht indie Hande gerathe/ dieſer Sclave konteTuͤrckiſch/ Perſiſch/ und auch ſelbſt Fran-tzöſiſch und hatte ſich bey diſen Claude Mu-zin ſchon drey Jahr auffgehalten welcherder Meinung dieſer gutthertzigen Frauengaͤntzlich zu wider gethan/ daß er ihn an denBoulaye verkaufft/ da er ihn doch viel-mehr in Franckreich haͤtte ſchicken ſollen.Damit wir aber wider auff des BoulayeKuͤchen kommen ſo war dieſelbige dermaſſen

beſchaffen wie ich oben angezeigt/ und ich

habe mich offt verwundern muͤſſen/ wie erleben und beſtehen konte/ ſintemal er nichts und tranck als Brandtewein dennwie ich geſehen/ ſo ließ er den Reiß mit kochen/und trang jgliche Malzeit 2. groſſe Gläſerauß/ dadurch ihme auch ziemliches Bauch-wehe verurſachet wurde/ ich meinte gaͤntzlich

Bericht was in Indien und Perſien: Die Handlung

weñ er in der Moſcau geweſen were/ er hete

das Brandtewein trincken daſelbſten geler-

net. Diſes war fuͤrnemlich an ihnen beiden

hoch zu tadeln daß weder der eine welcher von a andeneinem mächtigen Koͤnige und der ander wel⸗ Sachencher von einer fuͤrtrefflichen Compagnie ab-

geſandt war ſich weder der Saͤufften/ nochKutſchen/ noch Palanquins noch der Pferdgebrauchten Boulaye brachte zwar 2. Pferde

auß Perſien mit ſich denn das eine ihme vom

Koͤnig verehret worden/ und das andere wel-

ches er gekaufft damit er etwas damit verdi-

nen moͤchte/ aber ſo bald er zu Agra ankom-

men verkauffte er ſolche alsbald auß Furcht

ſie moͤchten gar zuviel zu unterhalten koſten.

Er bekam dafur 2800. Koupies, und man ghette ihm noch mehr gegeben wenn ſie auff 10dder Reiſe nicht ſo mager worden. Als er nun 0

Der

diſer Pferde loß war/ muſte er allezeit einesentlehnen wenn er außgehen wolte/ aber dieZeit uber weil ich bey ihnen war bedinten ſieſich entweder meines balanquios oder mei-ner Kutſche. Ich hatte mir zu Surate einenhangenden Wagen nach der FrantzoͤſiſchenMode machen laſſen/ den habe ich durchgantz Indien gebraucht. Wenn ich bey nachtreiſen muſte/ ſo hatte ich ein Bret ſo langund breit als die Carolſe, dieſes konte ich iin vier Theil uͤber einander legen/ daſſelbige Kitlenlegte ich in den Wagen/ und breitete eilt in Jedche Decken oder Materatzen darauff: Ichkan mit Warheit ſagen daß ich beſſer als 0einer Kammer ruhete/ dieweil ich im kuͤh⸗ lalen war/ denn die Naͤchte ſind auch bey bel 0 10groͤſten Hitze in Indien ſehr kuͤhl/ und wenn Miendas nicht were/ wurden die Leute ſonderlichfrembde ſchwerlich leben koͤnnen. aNach dem der groſſe Mogol des KönigsVBrieff geſehen/ und der Nabab verſprochenſolchen bey Ankunfft der FrantzoſiſchenSchiſſe zu beantworten/ ging Baulaye 8nicht mehr auß und erwartete nichts mehlals nach Verfliſſung der Gewaͤſſer ein gut-tes Wetter/ in willens nach Bengale undGolconda zu reiſen/ und daſelbſten die Hanlung im Nahmen des Koͤniges anzuffelleUnterdeſſen/ that Beber nichts als ab un 2zu gehen/ und vermeinte nichts anders 6 ſcllaheden Befehl wegen Anſtellung der Hand, Jaholallung zu erhalten. Aber der Nabab pole,te ſeiner nur/ und fragte wenig nach!und man kan mit Warheit ſagen/ daß chdem Beber dem euſtrlichen Anſehen nannichts anders urtheilen konte/ als das 6nichts werther Menſch ſey/ und der ſich 1und gar nicht zu ſchicken wuſte. Sonegehen alle Europeer die in Indien de. VPerſien wohnen jederzeit wohl. bekleide ödes Bebers aber wolte ſich niemand 1men/ den in ſeiner Kleidung ſahe el 1einem Knecht gleich als einem Abgeſend,ten einer ſo berümbten ompag ole, ichelich liß er ſich ein Kleid auff FranzMode machen und zwar von eetem Zeuge/ ſo niemahls gebrauchlich ge ſen