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sehr leicht Menschen wie Kapitalien nutzlos geopfert werden können. Kolonisie-rungs-Versuche ohne genaue Abwägung der Vor- und Nachteile auf statistischerGrundlage und ohne die Resultate sachgemässer Untersuchung abzuwarten,können nicht genug zurückgewiesen werden. Es ist sehr zu verdammen, wennin dieser Beziehung wagehalsige Behauptungen in die Welt hinausgeschleudertwerden, ehe durch Beobachtungen und Untersuchungen eine genaue Sach-kenntnis erworben ist.
Auf grösserer Höhe des Gebirges steht echt tropische Vegetation direktneben europäischer, z. B. riesige Baumfarren, Musa’s, Kandelaber-Kakteen nebenSträuchern mit vorzüglichen, süssen, roten und schwarzen Brombeeren unddergl. Auch Wein ist von uns wildwachsend gefunden worden, meines Wissensdas erste Mal in Deutsch-Ost-Afrika; die Trauben sollen recht süss sein undwerden von den Waruguru gern verspeist. Wasser ist in den Uluguru-Bergen stets, überaus reichlich und von vorzüglicher Beschaffenheit vorhanden, da esauf der Ostseite des Gebirges das ganze Jahr hindurch regnet (siehe geogra-phischen Bericht). Was das Klima betrifft, so kann man dasselbe als ver-hältnismässig gesund bezeichnen, wenn man überhaupt eines im tropischenAfrika als gesund bezeichnen will. An die schönen Behauptungen von abso-luter Fieberfreiheit glaube ich nicht und werde mich von denselben auch nichtüberzeugen lassen, ehe mir nicht der statistische Nachweis geliefert ist, da den-selben nicht nur meine eigenen Beobachtungen und Erfahrungen in einemgrossen Teile von Deutsch-Ost-Afrika, sondern auch die statistischen Berichteenglischer und holländischer Arzte über andere Teile des tropischen Afrika entgegenstehen. Einzelne ausgesuchte kern- und charakterfeste Individuenmögen sich wohl frei halten können von Malaria, auch lässt sich dieselbe viel-fach vermeiden durch vernünftige Lebensweise und sorgsamstes Beobachtendes eigenen Körpers, sodann tritt sie in grösseren Höhen durchgängig nichtso schwer auf als im Niederland; trotz alledem kann man aber nicht vonFieberfreiheit der Berggebiete reden. Derartige Behauptungen muss ich eben-falls zu den oben zurückgewiesenen Kolonialphantasien rechnen. Überhauptscheint mir die Annahme, dass die Malaria mit der grösseren Meereshöheeiner Gegend abnehme, eine sehr zweifelhafte zu sein; meiner Überzeugungnach hat auf das Bestehen der Malaria einen viel grösseren, wenn nicht denentscheidenden Einfluss die Feuchtigkeit. In trockenen Gebieten kommt weitweniger Malaria vor als in feuchten und während der trockenen Jahreszeitungleich weniger als während der Regenzeit. Ackert man den Boden um, sosteigt aus demselben die darin wohnende Feuchtigkeit auf und führt demAckerbauer die Malariakeime zu, daher erkranken die Leute bei der Feld-arbeit am leichtesten. Freilich ist nun eine trockene Gegend unfruchtbar, einefeuchte dagegen fruchtbar! Will man also dem Boden etwas abgewinnen,so muss man eben nach der letzteren gehen, aber dann auch die Malaria mitin den Kauf nehmen; daran wird man wohl nichts ändern können, selbst nichtmit den glühendsten Wünschen unserer Ansiedelungsschwärmer. Viele Leutehalten ja mit Erfolg die Malaria nieder durch eine vollständige Chininintoxi-