u e b e r l a n d r c i s e.
99
Man bewegt sich zwischen den beiden Stationen auf einem fast ganzebenen Plateau. In sehr geringen muldenförmigen Vertiefungen schlummerneinige fischreiche Seen, auf denen wir aus der Ferne auch Enten bemerkten.Der schneebedeckte Gipfel des Sneehättan ist von vorliegenden Hügeln gänzlichverdeckt, man bekömmt ihn erst wieder zu Gesicht, sobald man in die Näheder Station von Icrkind kömmt. Diese liegt an einem gen Süden geneigten,ziemlich steilen Abhänge, zu welchem man über einen tiefen und breiten Moor-grund gelangt. Die kleinen Häuser haben von der Ferne her schon etwas Ein-ladendes, das Gehöfte sieht nett und sauber aus, und ein kleines Thürmchenauf einem der Gebäude scheint durch sein Glöcklein anzudeuten, daß hier zu-weilen sonntäglich auch größere Versammlungen stattfinden. Wir fahren inden weiten, geräumigen Hof ein, werden freundlich von einem jungen Men-schen empfangen, der ganz geläufig englisch spricht, sich als den Sohn desBesitzers ausweist und uns in ein seitlich stehendes Haus führt, welches zurAufnahme der Fremden bestimmt ist. Beim ersten Blicke in die uns bestimm-ten Räumlichkeiten erschallt der allgemeine Ruf: Hierlaßt uns Hütten bauen!
Als hätte man das Haus speziell für uns ausgebaut und eingerichtet:Vier Schlafzimmer mit sieben Betten und ein geräumiger Salon, der dieAussicht auf den Moorgrund mit der Straße und den gegenüberliegendenHügelketten besitzt. Freundliche Leute, reinliche Räume und auch die Vorrats-kammern, wie es scheint, nicht übel bestellt: man habe Rennthierfleisch, sagteman uns, und Eier, Sherry und Bier, frische Butter und Moltebeeren undkönne uns Pferde genug zur Disposition stellen, um am Fuße des Sneehättanzu jagen.
In der That werden uns auch bald die redenden Beweise dessen, wasKüche und Keller zu bieten vermögen, vorgeführt. Wir kosten natürlich mitgespannter Erwartung ein geschmortes Ragout von Rennthierfleisch, das unsFreunde als ausgezeichnet gerühmt haben. Hier darf mau wohl erwarten,daß es echt ist und daß nicht ein zahmes Surrogat, mit Essig gebeizt, demReisenden vorgesetzt werde, der die wilden Produkte des Landes verlangt. Inder Schweiz essen alle Reisenden in den Gasthöfen des Gebirges beständigGemssleisch, obgleich gerade während der Reisesaison keine Gemsen gejagtund überhaupt nur sehr wenige in der Schweiz geschossen werden, wo derWildsland auf das Minimum reduzirt ist. Aber ein alter Ziegen- oder Schaf-bock, ein wenig angefault und dann in gehörig scharfem Essig gebeizt, gibt