Thingvalla. Laugarvatn. Geysir.
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leichter Mühe in den Steigbügel und Sattel sich schwingen kann. Bewun-dernswürdig sind die Thiere hinsichtlich ihrer Intelligenz, ihrer Sicherheit imTritt, ihrer Ausdauer und ihrer Genügsamkeit in Futter und Wartung. Woes die Beschaffenheit des Terrains nur irgend zuläßt, setzt sich das isländischePferd von selbst in schnellen Trab oder gestreckten Galopp, worin es Stundenlang ausdauert, ohne irgend Ermüdung oder kurzen Athem zu zeigen. Aufden halsbrechendsten Pfaden klettert es Abhänge hinaus oder hinab, derenAnblick selbst dem geübten Fußgänger Schwindel erregen könnte; mit bewun-dernswürdiger Klugheit findet es, mitten im unergründlichen Morast, imreißenden Strome den Punkt, wo es sicher seinen Fuß auffetzen kann, undwährend es sonst dem Zügel leicht und willig folgt, setzt es an solchen Stellenmit hartnäckiger Festigkeit seine bestere Einsicht derjenigen des Reiters entgegen,der wohlthut, ihm dann die Entscheidung zu überlassen. In der Mitte desTages nur macht man einen einzigen Halt, um die Pferde zu wechseln undeinige Nahrung und Ruhe zu genießen; sonst aber geht es unaufhaltsam fortwährend 5 oder 6 Stunden, ohne den mindesten Aufenthalt, bis zu dem Orte,den man zum Nachtquartier ersehen hat. Die ohne Zaum und Zügel laufen-den Ersatzpferde werden voraus getrieben und wenn sie von der Richtungabweichen wollen — denn häufig lockt verführerisch ein saftiger Grasbuschoder eine Wasserlache — so sucht man sie zu umgehen und mit Peitsche undZuruf wieder zu dem Haufen zu treiben. Bald hatten wir uns daran gewöhnt,unsere Führer bei diesem Geschäft zu unterstützen und so brach bald der Eine,bald der Andere seitlich aus, nm auf halsbrechendem Terrain den wider-spenstigen Gaul zu umgehen und ihn mit Hieb oder Wink wieder zu seinerPflicht zurückzuführen. Auf diese Weise ist eine Reise durch Island einbeständig wechselndes Bild, voll aufregender und ergötzender Vorfälle,, nirgendsin enge Schranken gebannt durch Weg und Steg, durch Hag oder Zaun, einfreies Schweifen über das Blachfeld, wobei es einem jeden gestattet ist, baldeinzeln umhcrzujagen, bald auch den Gefährten zu gegenseitigem Austauschoder fröhlichem Wettritte sich anzuschließen. Welch ein Gegensatz gegen jeneslangweilige Fahren in Norwegen in einsamem Karriol, auf vorgeschriebenemWege, wo man sich nur deshalb in Gesellschaft zu befinden schien, um sichgegenseitig den Staub zuzusenden, den man aufwirbelte! Das Karriolfahrenin Norwegen stimmt zum Mißmuthe, drückt nieder, wird zu einer Pflicht,ebenso langweilig und eintönig wie das Land selbst; das Reiten in Island