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Nord-Fahrt, entlang der norwegischen Küste, nach dem Nordkap, den Inseln Jan Mayen und Island, auf dem Schooner Joachim Hinrich unternommen während der Monate Mai bis Oktober 1861 von Dr. Georg Berna, in Begleitung von C. Vogt, H. Hasselhorst, A. Gressly und A. Herzen / erzählt von Carl Vogt, mit einem wissenschaftlichen Anhang ...
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Reykir. Reikjavik. Greenock .

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zerrüttet und das moralische Gebäude, das darauf aufgerichtet ist, in lebhaftesSchwanken gerathen.

Wir rennen in dem Städtchen umher, um Abschiedsbesuche zu machen,blaue und weiße Füchse einzukaufen, Edelfalken zu erhandeln, die alle auf demDeck nebst Bär, Adler und Hund in einem unförmlichen Kasten untergebrachtwerden, der zwar allen Stürmen Trotz bieten soll, dafür aber auch den Raumauf dem Decke möglichst einschränkt. Einige Würdenträger der Wissenschaftsind während unserer Abwesenheit von ihren Ausflügen zurückgekommen undwir haben die Freude, den bekannten Phhsikus Dr. Hjaltelin bei uns an Bordzu begrüßen, bei welcher Gelegenheit er uns einige werthvolle Handstückeisländischer Felsarten aus Gegenden, die wir nicht berühren konnten, zum Ge-schenke macht. Berna und der Professor reiten noch einmal nach dem unterenSeljadal, um von dort einige Centner Palagonit zu holen und berühren aufihrer Rückreise die kleine Bucht von Fossvogr in der Nähe von Reikjavik, woein eisgrauer, gebackener Thon, der aus der Zersetzung von Palagonittusfenhervorgegangen scheint, eine Menge von Versteinerungen aus dem umgebendenMeere enthält. Hasselhorst und der Doktor reiten am folgenden Tage nochnach demselben interessanten Punkte, um unsere Sammlung soviel möglich zuvervollständigen. Kaufmann Siemsen, Professor Arnason, der Stiftsamtmannüberhäufen uns mit Freundschaftsbezeugungen und Ersterer möchte uns zuEhren einen Ball arrangiren.

Aber die Zeit drängt und die Heimath ruft.

Wir lausen am 16. September Morgens 10 Uhr bei gutem Winde vonReikjavik aus, umsegeln Cap Reikjanaes noch an demselben Abend und richtenunseren Kurs nach den Färöern, die wir nebst den Orkneys - und Shetlands-inseln im Bvrüberfahren ansegeln wollen.

Und es folgt eine lange Woche voll Ungemachs mit schlechtem Wetter,widrigem Winde, hohem Seegange und katzenjämmerlicher Seekrankheit, wäh-rend welcher wir alle Kräfte anstrengen müssen, um nicht nach Neufundland hinüber verschlagen zu werden. Je weiter wir kommen, desto mehr schwindetjede Hoffnung, die Inselgruppen, die wir noch besuchen möchten, ansegeln zukönnen; der Sturm packt uns am 23. September in der Nacht mit kaumgeringerer Wuth, als auf der Herfahrt von Jan Mayen , die Sturzwellenschlagen unsere Laterne ein und überschwemmen uns in unseren Kojen, sodaß wir keinen trockenen Faden am Leibe haben. Wir erfahren später, daß