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Neu-entdeckte Phaenomena von bewunderns-würdigen Würckungen der Natur : welche bey der fast allen Cörpern zukommenden electrischen Krafft und dem dabey in der Finstern mehrentheils erscheinenden Liecht einige berühmte Mitglieder der preisswürdigen köngl. engl. Societaet der Wissenschafften vornemlich aber, Herr Hauksbee und Herr Gray in Londen und nach einer weitern Untersuchung, Monsieur du Fay in Paris durch viele Experimenta, zu unsern Zeiten glücklich hervorgebracht, und in unterschiedlichen Wercken dem Publico mitgetheilet ... / von Johann Gabriel Doppelmayr
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85
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uber die Phænomena von der Electricitæt

23. Letztens iſt auch noch, auſſer denen bishero vorgeſtellten Eigenſchaff-ten der eleetriſchen Materie, ein notabſer Umſtand, der bey verſchiedenen Ex.perimenten zu dern richtigen Vollziehung zu obler viren iſt, allhier in eine ge-naue Betrachtung zu ziehen, wie nemlich, da nach dem 166. und 167. Ex-periment die nahe Application eines Fingers, oder vielmehr der Hand, oderauch des Glasrohres an dem evacuirten und ſtarck geriebenen Recipientenerfordert wird, um den darinnen herabhangenden Faden in eine und die an-dere Bewegung zu bringen, ſolche, da das Kqui ibrium(welches die Coͤr-per nach dem 8.§. dieſes Capitels gegen einander halten muͤſſen) in der glei-chen Druckung der eleckriſchen Materie aufgehaben wird, ſich alſo ereignenmuͤſſe, maſſen, nachdeme zuvor bey gleicher Druckung dieſer Materie von derLufft durch die gantze Flaͤche des Recipientens der Faden in deſſen Mittenunbeweglich hangen geblieben, alsdann das Gleichgewicht, indeme man dieHand oder das Glasrohr nahe gegen einem Theil der Flaͤche des Kecipien-tens haͤlt, bey Ermanglung der dortigen Druckung unter der Hand, oderunter dem Rohr, ceſſiren muͤſſe, gegen welchen Theil dann, als dem ſchwaͤ-chern der Fade, und folglich gegen die Hand, die gleichſam eine Bedeckungvor der preſſenden Lufft abgiebet, von der electriſchen Krafft in dem Reci-pienten getrieben wird, welcher Faden dann, ſo man allgemach die Handwieder zuruck ziehet, daß die aͤuſſere Lufft die eleckriſche Krafft wieder in et-was hineintreiben kan, wieder zuruck gehet, am geſchwindeſten aber, wird

er wieder zuruck und gegen die andere Seiten hin beweget, ſo man geſchwinddie Hand in die Hoͤhe hebet, wobey dann die Lufft die electriſche Materieauch mit einer Geſchwindigkeit hineintreibet, und dadurch zugleich in eine ſtar-cke Dewegen bringet, aus dieſem Fundament koͤnnen auch die Phenomena

von dem beſondern Hauksbeeiſchen Experiment bey vielen Faͤden(Beſ. das170. Experiment) erklaͤret werden. In dem 175. Experiment git den Faͤ-den von auſſen hinein, mag auch der Finger, den man gegen das aͤuſſere En-

de eines Fadens gegen den Recipienten hin bringet, als eine Bedeckung, daß

die electriſche Krafft allda nicht weiter ben w den Faden zugehen und eineDirection machen kan, gantz wohl angeſehen werden. Ferner mag auch eineſchickliche Application des Glasrohrs, auch zuweilen hernach des Fingers,bey den fluͤſſigen Materien, dem 188. Experiment gemaͤs, bey vorherge-gangener Electriſirung, als eine Bedeckung dienen, darunter die electriſcheKrafft auch bey folcher Materie ihre Wuͤrckung deſto beſſer haben moͤge.das 8. und 185. Experiment, mag auch aus einer Bedeckung, wozu dasGlasrohr und ein Finger ſich ergiebet, ſeine Erklaͤrung wohl voeſtlli machenlaſſen. Endlich ereignet es ſich auch zuweilen, daß man mit dem Mund durch dasblaſen(nach dem 151. und 173. Experiment, und bey der ſchnellen Bewegungmit der Hand(nach den 222. Experiment) die Lufft, und dadurch die electri-ſche Materie in eine Agitation zu bringen, von noͤthen habe, welches leicht

eſchehen kan⸗he 1 2 Das

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